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§ 55. Wandel von φίισις und λόγος

Werkzeug zubereitet werden. Die Geburtsstunde der Logik ist gekommen.

Nicht zu Unrecht hat daher die antike Schulphilosophie die Abhandlungen des Aristoteles, die sich auf den Logos beziehen, unter dem Titel »Organon« zusammengefaßt. Die Logik ist damit in den Grundzügen auch schon abgeschlossen. So darf Kant zwei Jahrtausende später in der Vorrede zur 2. Auflage der Kritik der reinen Vernunft sagen, daß die Logik »seit dem 144 Aristoteles keinen Schritt rückwärts hat tun dürfen«, »daß sie auch bis jetzt keinen Schritt vorwärts hat tun können und also allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu sein scheint. « Es scheint nicht nur so. Es ist so. Denn die Logik hat trotz Kant und Hegel im Wesentlichen und Anfänglichen keinen Schritt mehr getan. Der einzig mögliche Schritt ist nur noch der, sie [nämlich als die maßgebende Blickbahn der Auslegung des Seins] von ihrem Grund her aus den Angeln zu heben.

Sehen wir jetzt das über φύσις und λόγος Gesagte zusammen: Die φύσις wird zur ἰδέα (παράδειγμα), Wahrheit wird Richtigkeit. Der Logos wird zur Aussage, zum Ort der Wahrheit als Richtigkeit, zum Ursprung der Kategorien, zum Grundsatz über die Möglichkeiten des Seins. »Idee« und »Kategorie« sind künftig die beiden Titel, unter denen das abendländische Denken und Tun und Schätzen, das ganze Dasein steht. Die Wandlung von φύσις und λόγος und damit die Wandlung ihres Bezugs zueinander ist ein Abfall vom anfänglichen Anfang. Die Philosophie der Griechen gelangt zur abendländischen Herrschaft nicht aus ihrem ursprünglichen Anfang, sondern aus dem anfänglichen Ende, das in Hegel groß und endgültig zur Vollendung gestaltet wird. Die Geschichte geht, wo sie echt ist, nicht zugrunde, indem sie nur aufhört und ver-endet wie das Tier, Geschichte geht nur geschichtlich zugrunde.