dieses Wort bereits zum herrschenden Begriffstitel in der Philosophie geworden ist, behält es zugleich seine ursprüngliche Bedeutung bei: ἡ ὑπαρχοῦσα οὐσία (Isokrates) ist der vorhandene Besitzstand. Aber selbst diese Grundbedeutung der οὐσία und die darin vorgezeichnete Bahn der Seinsauslegung konnte sich nicht halten. Alsbald begann die Umdeutung der οὐσία zur substantia. In dieser Bedeutung bleibt sie dem Mittelalter und der Neuzeit bis heute geläufig. Vom herrschenden Substanzbegriff aus — der Funktionsbegriff ist nur seine mathematisierte Abart — wird dann rückläufig die griechische Philosophie ausgelegt, d. h. von Grund aus verfälscht.
Noch gilt es zu sehen, wie von der οὐσία her als dem jetzt maßgebenden Titel für das Sein nun auch die zuvor besprochenen Scheidungen Sein und Werden, Sein und Schein begriffen werden. Wir erinnern dabei zugleich an das Schema der in Frage stehenden Scheidungen:
Was dem Werden als Gegensatz gegenüber steht, ist das beständige Bleiben. Was dem Schein als bloßem Anschein gegenüber steht, ist das eigentlich Gesichtete, die ἰδέα. Als das δντως ὄν ist sie wiederum das beständig Bleibende gegenüber dem wechselnden Schein. Werden und Schein werden aber nicht nur von der οὐσία her bestimmt; denn die οὐσία hat ihrerseits die maßgebende Bestimmtheit aus dem Bezug auf den Logos, das aussagende Urteilen, die διάνοια, erhalten. Demgemäß bestimmen sich Werden und Schein auch aus der Blickbahn des Denkens.
Vom urteilenden Denken her gesehen, das immer bei einem Bleibenden ansetzt, erscheint das Werden als Nichtbleiben. Das Nichtbleiben zeigt sich zunächst innerhalb des Vorhandenen als Nichtbleiben am selben Ort. Werden erscheint als Ortsveränderung,