im Sinne Kants, das Erfahrbare für die Wissenschaften, zu denen sich die Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften gesellen, den maßgebenden Vorrang. Durch die Vorherrschaft des Seienden wird das Sollen in seiner Maßstabrolle gefährdet. Das Sollen muß sich in seinem Anspruch behaupten. Es muß versuchen, sich in sich selbst zu gründen. Was in sich einen Sollensanspruch bekunden will, muß von sich aus dazu berechtigt sein. Dergleichen wie Sollen kann nur von solchem ausstrahlen, was von sich her solchen Anspruch erhebt, was in sich einen Wert hat, selbst ein Wert ist. Die Werte an sich werden jetzt zum Grund des Sollens. Da aber die Werte dem Sein des Seienden im Sinne der.Tatsachen gegenüberstehen, können sie ihrerseits nicht selbst sein. Man sagt daher: sie gelten. Die Werte sind für alle Bereiche des Seienden, d. h. des Vorhandenen, das Maßgebende. Geschichte ist nichts anderes als Verwirklichung von Werten.
Platon hat das Sein als Idee gefaßt. Idee ist Vorbild und als solches auch maßgebend. Was liegt nun näher als dieses, die Ideen Platons im Sinne von Werten zu verstehen und das Sein des Seienden von dem her zu deuten, was gilt?
Die Werte gelten. Aber Geltung erinnert noch zu sehr an Gelten für ein Subjekt. Um das zu Werten hinauf gesteigerte Sollen noch einmal zu stützen, spricht man den Werten selbst ein Sein zu. Hier heißt Sein im Grunde nichts anderes als Anwesen von Vorhandenem. Nur ist dieses nicht so grob und handlich wie Tische und Stühle vorhanden. Mit dem Sein der Werte ist das Höchstmaß an Verwirrung und Entwurzelung erreicht. Da der Ausdruck »Wert« sich jedoch allmählich als abgegriffen ausnimmt, zumal er auch noch in der Wirtschaftslehre eine Rolle spielt, nennt man die Werte jetzt »Ganzheiten«. Aber mit diesem Titel haben nur die Buchstaben gewechselt. Allerdings wird an diesen Ganzheiten eher das sichtbar, was sie im Grunde sind, nämlich Halbheiten. Halbheiten aber sind im Bereich des Wesenhaften immer verhängnisvoller als das so sehr gefürchtete Nichts. Im Jahre 1928 erschien eine Gesamtbibliographie des Wertbegriffs 1. Teil. Hier sind 661 Schriften