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Beschränkung des Seins

Dieser Nachweis kann nur so geführt werden, daß wir zugleich das Ganze dieser »Einführung in die Metaphysik« noch einmal durchblicken.

a) Der in den vier Scheidungen durchgängige

Grundcharakter von Sein: ständige Anwesenheit,

öv als οὐσία


Alles ist auf die zu Beginn genannte Grundfrage gestellt: »Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?« Die erste Entfaltung dieser Grundfrage zwang uns in die Vorfrage: Wie steht es überhaupt mit dem Sein?

Zunächst erschien uns »Sein« wie ein leeres Wort mit einer verschwebenden Bedeutung. Daß dem so sei, erschien als eine feststellbare Tatsache unter anderen. Zuletzt aber zeigte sich das anscheinend Fraglose und weiter nicht mehr Befragbare als das Fragwürdigste. Das Sein und das Verstehen des Seins sind nicht eine vorhandene Tatsache. Sein ist das Grundgeschehnis, auf dessen Grunde überhaupt erst geschichtliches Dasein inmitten des eröffneten Seienden im Ganzen gewährt ist.

Diesen fragwürdigsten Grund des geschichtlichen Daseins aber erfahren wir nur in seiner Würde und seinem Rang, wenn wir ihn in die Frage stellen. Demgemäß stellten wir die Vor-frage: Wie steht es mit dem Sein?

Die Hinweise auf den geläufigen, jedoch vielfältigen Gebrauch des »ist« überzeugten uns: Die Rede von der Unbestimmtheit und Leere des Seins ist irrig. Das »ist« bestimmt vielmehr die Bedeutung und den Gehalt des Infinitivs »sein« und nicht umgekehrt. Jetzt können wir auch begreifen, warum das so sein muß. Das »ist« gilt als Copula, als das »Verhältniswörtchen« (Kant) in der Aussage. Diese enthält das »ist«. Weil aber die Aussage, der λόγος als κατηγορία, der Gerichtshof über das Sein geworden ist, deshalb bestimmt sie aus dem ihr zugehörigen »ist« das Sein.

Das Sein, von dem wir als einem leeren Titel ausgingen, muß