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§ 58. Zusammenfassung der vier Unterscheidungen

Ende sogar seiender als das, was man gemäß der be-schränkten Wesensbestimmung des Seins für seiend hält. Aber in welchem Sinne von Sein ist dann das Werdende, Scheinende, das Denken und das Sollen seiend? Keinesfalls in dem Sinne von Sein, gegen den sie sich absetzen. Dieser Sinn von Sein ist jedoch der von altersher geläufige.

Also reicht der bisherige Begriff des Seins nicht zu, um all das zu nennen, was »ist«.

Das Sein muß deshalb von Grund aus und in der ganzen Weite seines möglichen Wesens neu erfahren werden, wenn wir unser geschichtliches Dasein als ein geschichtliches ins Werk setzen wollen. Denn jene Mächte, die dem Sein entgegenstehen, die Scheidungen selbst bestimmen, beherrschen und durchsetzen in ihrer vielfachen Verflechtung seit langem unser Dasein und halten es in der Verwirrung des »Seins«. So erwächst aus dem ursprünglichen Durchfragen der vier Scheidungen die Einsicht: Das Sein, das durch sie eingekreist ist, muß selbst zum umkreisenden Kreis und Grund alles Seienden verwandelt werden. Die ursprüngliche Scheidung, deren Innigkeit und ursprüngliches Auseinandertreten die Geschichte trägt, ist die Unterscheidung von Sein und Seiendem.

Wie soll sie aber geschehen? Wo kann die Philosophie einsetzen, sie zu denken? Doch wir sollen hier nicht über Einsatz reden, sondern ihn nachvollziehen; denn er ist aus der Notwendigkeit des Anfangs, unter dem wir stehen, vollzogen. Nicht umsonst verweilten wir innerhalb der Erörterung der vier Scheidungen unverhältnismäßig lange bei der Scheidung von Sein und Denken. Sie ist auch heute noch der tragende Grund der Bestimmung des Seins. Das durch den λόγος als Aussage geleitete Denken gibt und erhält die Blickbahn, in der das Sein gesichtet wird.

Soll daher das Sein selbst in seiner ursprünglichen Unterscheidung zum Seienden eröffnet und gegründet werden, dann bedarf es der Eröffnung einer ursprünglichen Blickbahn. Der Ursprung der Scheidung von Sein und Denken, das Auseinandertreten von Vernehmung und Sein zeigt uns, daß es dabei