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Beschränkung des Seins

um nichts Geringeres geht als um eine aus dem zu eröffnenden Wesen des Seins (φύσις) entspringende Bestimmung des Menschseins.

Mit der Frage nach dem Wesen des Seins ist die Frage, wer der Mensch sei, innig verknüpft. Die von hier aus nötige Bestimmung des Wesens des Menschen ist jedoch nicht Sache einer freischwebenden Anthropologie, die den Menschen im Grunde auf die gleiche Weise vorstellt wie die Zoologie die Tiere. Die Frage nach dem Menschsein ist jetzt in ihrer Richtung und Reichweite einzig aus der Frage nach dem Sein bestimmt. Das Wesen des Menschen ist innerhalb der Seinsfrage gemäß der verborgenen Anweisung des Anfangs als die Stätte zu begreifen und zu begründen, die sich das Sein zur Eröffnung ernötigt. Der Mensch ist das in sich offene Da. In dieses steht das Seiende herein und kommt zum Werk. Wir sagen daher: Das Sein des Menschen ist, im strengen Sinn des Wortes, das »Da-sein«. Im Wesen des Da-seins als solcher Stätte der Seinseröffnung muß die Blickbahn für die Eröffnung des Seins ursprünglich gegründet sein.

Die gesamte abendländische Seinsauffassung und Überlieferung und demgemäß das heute noch herrschende Grundverhältnis zum Sein ist in den Titel Sein und Denken zusammengezogen.


§ 59. Das Wesen des Menschen (das Da-sein) als die Stätte des Seins. »Sein und Zeit«: die Zeit als Blickbahn für die Auslegung des Seins


Sein und Zeit aber ist ein Titel, der sich in keiner Weise den besprochenen Scheidungen gleichordnen läßt. Er weist in einen ganz anderen Bereich des Fragens.

Hier ist nicht das »Wort« Zeit gegen das »Wort« Denken nur ausgewechselt, sondern das Wesen der Zeit ist von Grund aus und einzig im Bereich der Seinsfrage nach anderen Hinsichten bestimmt.