Wir brechen daher die Erörterung des Wortes Seyn nicht ab als ein nutzloses Geschäft, sondern wir versuchen sie jetzt ursprünglicher anzusetzen und fortzuführen auf einem Weg, der uns erneut in das Fragen unserer Grundfrage zurückbringt.
Das Verbalsubstantivum »das Seyn« erweist sich nach der zweifachen, der grammatischen und etymologischen Betrachtung als eine Verfestigung und Aufbewahrung der abgezogensten und verwischtesten Bedeutung, die das Verbum in bezug auf alle seine verbalen Abwandlungen und seine mehrfältige Stammesherkunft überhaupt noch zuläßt. Diese verblasenste Bedeutung wird dann überdies noch logisch erklärt und gerechtfertigt, und als diese unbestimmte Bedeutung gilt sie für jede verbale Abwandlung und gilt sie erst recht wiederum für die endlose Mannigfaltigkeit des einzelnen Seienden, das jeweils in irgendeiner der verbalen Abwandlungen an- und ausgesprochen wird. So ist diese unbestimmte Bedeutung gleichwohl die geläufigste und bekannteste. Das im höchsten Maße Allgemeinste, das »Abstrakteste«, faßt nun die Logik als die oberste Gattung — genus. Sofern die Ontologie das Seyn in dieser allgemeinsten Bedeutung zum Thema macht, nämlich um festzustellen, daß davon nichts weiter mehr zu sagen sei, handelt sie, wie sie sagt, vom ens in genere. Das alles ist fast von unwiderstehlicher Klarheit: diese Lehre ein sogenanntes »Gemeingut«, aber für uns eben deshalb verdächtig.
Wir brauchen noch gar nicht weit auszugreifen, um die genannten Selbstverständlichkeiten über das Wort und den Begriff »Seyn« zu erschüttern. Wir müssen nur das wirklich fest greifen, was wir bisher »allein schon« durch die »sprachliche« Betrachtung gewonnen haben.
Wir sagen das Seyn in der alltäglich geschehenden Rede ständig in den verschiedensten seiner verbalen Abwandlungen : er war, ihr seid gewesen, wir wären, waren,… sei so freundlich und dgl., und wie oft und ständig gebrauchen wir das »ist«? Demnach verstehen wir eben doch mit diesen mannigfaltigen Abwandlungen das Seyn in einer je bestimmten und je erfüllten