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Anhang

metaphysischen Sätze Scheinsätze sind und alle Metaphysik sinnlos wird.

Aber bis in diese Widersinnigkeit hinaus behält doch noch das Wort Seyn einen Sinn, wenn auch nur den der sogenannten logisch korrekten Gesetztheit von etwas Beliebigem als im bloßen Denken Gesetzten. Außerdem sahen wir, daß das Seyn in seinen verbalen Abwandlungen, in der Unterscheidung von Vorhandensein und Copula eine Mannigfaltigkeit von Bedeutungen bekundet; daß selbst bei der äußeren Entfremdung das Wort Seyn nicht leer ist und somit die Bedeutung nicht verschwebt, sondern nur nicht mehr gefaßt werden kann, bzw. nicht mehr gefaßt sein will.

Daher gilt es jetzt, die in Frage stehende Tatsache gleichsam von einer neuen Seite zu beleuchten, indem wir den Nachweis führen, daß bei aller vermeintlichen Leere und scheinbaren Verdunstung überall ein ganz bestimmter und durchgängig herrschender Sinn dem Seyn zugesprochen ist, freilich so, daß man diesen als solchen gar nicht mehr heraushebt; ja, die Entfremdung vom Seyn und vollends von der Seinsfrage ist trotz aller Ontologie auf allen Gassen so weit gediehen, daß man gar nicht mehr begreift, was das überhaupt noch heißen soll, das Seyn habe einen Sinn.