lassen, d. h. sich gegenseitig zum Lernen bringen. Lernen ist schwerer als Lehren; denn nur wer wahrhaft lernen kann — und nur solange er es kann — der allein kann wahrhaft lehren. Der wahrhafte Lehrer unterscheidet sich vom Schüler nur dadurch, daß er besser lernen kann und eigentlicher lernen will. Bei allem Lehren lernt am meisten der Lehrer.
Dieses Lernen ist das schwerste: wirklich und bis zum Grunde das zur Kenntnis nehmen, was wir immer schon wissen. Solches Lernen, woran uns hier einzig gelegen ist, verlangt, sich ständig beim anscheinend Nächstliegenden aufzuhalten, ζ. B. bei der Frage, was ein Ding sei. Wir fragen unentwegt nur dieselbe, auf den Nutzen gesehen, offenkundige Nutzlosigkeit: was das Ding sei, was das Werkzeug sei, was der Mensch sei, was das Kunstwerk sei, was der Staat, was die Welt sei.
Es gab in Griechenland im Altertum einen berühmten Gelehrten, der überall herumreiste und Vorträge hielt. Man nannte solche Leute Sophisten. Als dieser berühmte Sophist einmal von einer Vortragsreise in Kleinasien nach Athen zurückkam, traf er dort auf der Straße den Sokrates. Dessen Gewohnheit war es, auf der Straße herumzustehen und mit den Leuten zu reden, z. B. mit einem Schuster darüber, was ein Schuh sei. Sokrates hatte kein anderes Thema als immer dieses: was die Dinge seien. »Stehst Du immer noch da«, sagte der angereiste Sophist überlegen zu Sokrates, »und sagst immer dasselbe über dasselbe?« »Ja«, antwortete Sokrates, »das tue ich; aber Du, der Du so besonders gescheit bist, Du sagst sicher niemals dasselbe über dasselbe.«
Die μαθήματα, das Mathematische, das ist jenes »an« den Dingen, was wir eigentlich schon kennen, was wir demnach nicht erst aus den Ding en herholen, sondern in gewisser Weise selbst schon mitbringen. Von hier aus können wir jetzt verstehen, warum ζ. B. die Zahl etwas Mathematisches ist. Wir seilen drei Stühle und sagen: Es sind drei. Was »drei« ist, das sagen uns nicht die drei Stühle, auch nicht drei Äpfel oder drei Katzen oder sonst irgend drei Dinge. Vielmehr können wir Dinge nur