VORBETRACHTUNG



§ 1. Schellings Werk und die Aufgabe der Auslegung


a) Die Freiheitsabhandlung in der Synopse geschichtlicher Ereignisse von 1809


Schelling erörtert das Wesen der menschlichen Freiheit in einer Abhandlung, die den Titel trägt: Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freyheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände. Diese Abhandlung erschien erstmals zusammen mit früher veröffentlichten Arbeiten Schellings in einem Bande, der überschrieben ist: F. W. Schelling's philosophische Schriften. Erster Band. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler, 1809.

1809: Napoleon beherrschte, d. h. hier: bedrückte und schmähte Deutschland. Seit 1806 bestand das Reich nicht einmal mehr dem Namen nach. In diesem Jahr hatten sich sechzehn deutsche Fürsten unter dem Protektorat Napoleons zum Rheinbund zusammengeschlossen. Am 1. August gaben sie auf dem Reichstag zu Regensburg ihre Scheidung vom Reiche kund. Am 6. August antwortete Franz 11. durch die Niederlegung der deutschen Kaiserkrone. Am 14. Oktober 1806 erlebte Preußen bei Jena und Auerstedt seinen tiefsten Sturz. Napoleon schrieb an den Sultan: »Preußen ist verschwunden.« Der König war nach Memel in den letzten Winkel der deutschen Erde geflohen. Durch den Frieden von Tilsit wurde Preußen auf das rechte Elbufer zurückgedrängt. Kursachsen war zum Rheinbund übergegangen. Bis zur Elbe war »Französisch« die Amtssprache.

1808 berief Napoleon eine Fürstenversammlung nach Erfurt. Dort kam Goethe ins Gespräch mit Napoleon. Sie unterhielten