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Schlußbemerkungen

menschliche, aber auch ebenso wenig das Absolute, mit dem man sich so ohne weiteres verständigt glaubt?

6. Ist nicht der Mensch solcher Art seiend, daß er, je ursprünglicher er er selbst ist, er gerade nicht nur und nicht zuerst er selbst ist?

7. Wenn denn der Mensch -als das Seiende, als welches es nicht nur es selbst ist -, wenn eben dieses Seiende zum Maßstab wird, was heißt dann Vermenschlichung? Heißt es nicht das gerade Gegenteil von dem, was der Einwand herausliest?

Wenn es aber so steht, dann werden wir uns entschließen müssen, alle große Philosophie, und Schellings Abhandlung im besonderen, mit anderen Augen zu lesen.

Auch wenn Sc helling das »anthropomorphistische« Bedenken nicht in dieser grundsätzlichen Weise durchdacht und den dahinter stehenden Aufgabenbereich nicht gesehen hat, so wird doch das eine ganz deutlich:

Die Tatsache der menschlichen Freiheit hat für ihn eine eigene Tatsächlichkeit. Der Mensch ist nicht ein vorhandener Beobachtungsgegenstand, den wir dann noch mit kleinen Gefühlen des Alltags behängen, sondern der Mensch wird erfahren da im Hinblick in die Abgründe und Höhen des Seyns, im Hinblick auf das Schreckliche der Gottheit, die Lebensangst alles Geschaffenen, die Traurigkeit alles geschaffenen Schaffens, die Bosheit des Bösen und den Willen der Liebe.

Hier wird nicht Gott auf die Ebene des Menschen herabgezogen, sondern umgekehrt: Der Mensch wird in dem erfahren, was ihn über sich hinaustreibt; aus jenen Notwendigkeiten, durch die er als jener Andere festgestellt wird, was zu sein der »Normalmensch« aller Zeitalter nie wahrhaben will, weil es ihm die Störung des Daseins schlechthin bedeutet. Der Mensch -jener Andere, als welcher er der sein muß, kraft dessen der Gott allein sich überhaupt offenbaren kann, wenn er sich offenbart. Es geht durch Schellings Abhandlung etwas von jener Grundstimmung Hölderlins, davon bei früherer Gelegenheit (WS 1934/5 u. SS 1935) gehandelt wurde.