VORBEREITENDER TEIL


DAS WESEN DER PHILOSOPHIE UND DIE FRAGE NACH DER WAHRHEIT



ERSTES KAPITEL


Vordeutung auf das Wesen der Philosophie


§ 1. Die künftige Philosophie und die Verhaltenheit als Grundstimmung des Bezuges zum Seyn


»Grundfragen der Philosophie« — das nimmt sich so aus, als gäbe es an sich »die Philosophie« und als würden dann aus ihrem Umkreis »Grundfragen« herausgegriffen. So ist es nicht und kann es nicht sein, sondern durch das Fragen der Grundfragen bestimmt sich erst, was die Philosophie sei. Weil es so steht, sind wir genötigt, im voraus anzudeuten, als was sich uns die Philosophie offenbaren wird, wenn wir fragen; d. h. wenn wir alles — nämlich Alles — auf dieses Fragen setzen und nicht etwa nur so tun, als ob wir fragten, indem wir unsere angeblichen Wahrheiten je schon zu besitzen meinen.

Diese kurze Vordeutung auf das Wesen der Philosophie hat lediglich die Aufgabe, unsere fragende Haltung auf die rechte Grundstimmung abzustimmen oder, vorsichtiger gesprochen,diese Grundstimmung zu einem ersten Anklang zu bringen.Doch: Philosophie, die strengste denkerische Arbeit des Begriffes, und — Stimmung? Wie geht beides zusammen, Philosophieund Stimmung? Allerdings; denn gerade wenn und weil die Philosophie das härteste Denken aus der reinsten Nüchternheit bleibt, entspringt sie aus und verweilt sie in einer höchsten Stimmung. Reine Nüchternheit ist ja nicht nichts, gar nur dasFehlen der Stimmung, auch nicht die bloße Kälte des starren

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