Begriffes, sondern die reine Nüchternheit des Denkens ist im Grunde nur das strengste Ansichhalten der höchsten Stimmung, jener nämlich, die sich geöffnet hat dem einen einzigen Ungeheuren: daß Seiendes ist und nicht vielmehr nicht ist.
Diese Grundstimmung der Philosophie, d. h. der künftigen Philosophie, nennen wir, wenn davon überhaupt unmittelbar etwas gesagt werden darf: die Verhaltenheit. In ihr sind ursprünglich einig und zusammengehörig: das Erschrecken vor diesem Nächsten und Aufdringlichsten, daß Seiendes ist, und zugleich die Scheu vor dem Fernsten, daß im Seienden und vor jedem Seienden das Seyn west. Die Verhaltenheit ist jene Stimmung, in der jenes Erschrecken nicht überwunden und beseitigt, sondern durch die Scheu gerade bewahrt und verwahrt ist. Die Verhaltenheit ist die Grundstimmung des Bezuges zum Seyn, in welchem Bezug die Verborgenheit des Wesens des Seyns das Fragwürdigste wird. Nur wer sich in das verzehrende Feuer des Fragens nach diesem Fragwürdigsten stürzt, hat ein Recht, von dieser Grundstimmung mehr als nur dies hinweisende Wort zu sagen. Wenn er dieses Recht errungen hat, wird er es nicht gebrauchen, sondern schweigen. Niemals aber darf die angezeigte Grundstimmung der Gegenstand eines Geredes werden, etwa nach jener beliebten und schnellfertigen Art, die jetzt feststellt, hier werde eine Philosophie der Verhaltenheit gelehrt.
§ 2. Philosophie als das unmittelbar nutzlose, gleichwohl herrschaftliche Wissen vom Wesen des Seienden
Je nach dem Tiefgang der Geschichte eines Volkes steht oder fehlt an seinem alles bestimmenden Anfang das Dichten des Dichters und das Denken des Denkers, die Philosophie. Ein geschichtliches Volk ohne Philosophie ist wie ein Adler ohne die hohe Weite des leuchtenden Aethers, darin seine Schwingen zum reinsten Schwung gelangen.