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§ 17. Geschichtliche Besinnung

Wiederholung


1) Vier Kennzeichnungen der Wesenheit des Wesens bei Aristoteles. Das Wassein bei Platon: die ἰδέα als das im voraus Gesichtete, der Anblick


Wir stehen bei der Frage: Wie begründet Aristoteles — d. h. überhaupt, wie begründet die griechische Philosophie — das Wesen der Wahrheit und die Ansetzung des Wesens der Wahrheit als Richtigkeit der Aussage? Um die Antwort zu gewinnen, müssen wir zugleich und zuvor fragen: Wie fassen die Griechen das, was wir das Wesen nennen? Worin besteht für sie die Wesenheit des Wesens?

Wir versuchten zunächst unter Bezugnahme auf Aristoteles, »Metaphysik« Z, umrißweise zu verdeutlichen, daß und wie überhaupt hier — nämlich über die Wesenheit des Wesens — noch etwas ausgemacht werden kann. Da ergab sich folgendes: Aristoteles zählt in der Hauptsache vier Kennzeichnungen der Wesenheit des Wesens auf, die in einem sachlichen Zusammenhang stehen und durch eine unter ihnen zusammengefaßt werden können.

1. Das Wesen ist das, was etwas im Allgemeinen und überhaupt ist, das, was über das Ganze der Einzelfälle her gilt: τό καθόλου.

2. Das Wesen ist das, von woher jegliches in dem, was es als solches ist, seine Herkunft hat, wovon es abstammt: τό γένος; ein einzelnes Haus ist aus dem Geschlecht: Haus überhaupt.

3. Das Wesen kann deshalb auch als jenes bezeichnet werden, was etwas schon war, bevor es das wurde, was es als das Einzelne ist. Ein einzelnes Haus ist nicht erst Haus als Einzelnes, sondern das, was es als dieses Einzelne ist — nämlich »Haus« —, das war schon. Es war nicht etwa, weil vor diesem einzelnen Haus schon andere einzelne Häuser vorkamen, sondern weil, damit überhaupt dieses Haus oder jenes das werden und sein kann, was es ist, dergleichen wie »Haus überhaupt«


Martin Heidegger (GA 45) Grundfragen der Philosophie

Basic Questions of Philosophy pp. 57-58

GA 45