DRITTES KAPITEL

Gründung des Grundes als Begründung der Wesenserfassung


§ 20. Widersinn einer Begründung des Wesenssatzes über die Wahrheit ab Richtigkeit durch Rückgang auf einen Tatsachensatz


Für uns handelt es sich um die Begründung der Wesensbestimmung des Wahren als Richtigkeit der Aussage. Woran läßt sich dieser Satz: »Wahrheit ist Richtigkeit der Aussage«, hinreichend ausweisen? Dadurch, daß wir eine wirkliche richtige Aussage, einen wahren Satz, uns als Tatsache vorführen, z. Β. eben jenen Satz über diesen Hörsaal. Dieser Satz ist ein wahrer. An ihm als wahrem Satz muß das Wesen des Wahren ausweisbar sein:


(Tatsache)

Dieser jetzt beleuchtete Hörsaal

↑         ↓

(Tatsachen-Satz)

Tatsachensatz darüber

(Tatsache)

Dieser selbst als eine richtige Aussage eine Tatsache

↓         ↑

Wahrheit ist Richtigkeit der Aussage (Wesens-Satz)

— Wesensbestimmung


Allein, wir mußten es bereits erfahren: Durch die Berufung auf die Tatsache einer einzelnen richtigen Aussage ist niemals erweisbar, daß das Wesen des Wahren die Richtigkeit der Aussage sei. Es ist höchstens umgekehrt: Wir können überhaupt nur auf den Gedanken kommen, eine einzelne Aussage als Beispiel für das Wesen des Wahren, somit als Fall einer »Wahrheit« anzuführen, wenn schon zuvor feststeht und begründet ist, daß Wahrheit Richtigkeit der Aussage bedeutet. Wir suchen hier nicht nach der Begründung einer Aussage über einzelne

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