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Notwendigkeit der Frage nach dem Wesen der Wahrheit

ist bei den Zuschauern, und das Erlebte ist die ganze Machenschaft des »großaufgezogenen« Schauspiels. Das Erlebnis wirdzur Machenschaft; denken wir einmal einen Augenblick nach, was im Wort »Bekenntnisfront« sich zusammengefunden hat, und daß es zu diesem Wort, nicht nur zum Vorgang kommt.

Das Erlebnis als Machenschaft und die Machenschaft als Erlebnis - was in diesem Gesamtvorgang heraufkommt, ist keinem einzelnen Menschen zuzurechnen, aber es ist der Vorgang, in dem der Mensch - sich wissend und betreibend als das »vernünftige Lebewesen« — die letzten Konsequenzen seiner »Kultur« und »Zivilisation« zieht: die äußerste Entfernung von deranfänglich gegründeten Stellung zum Seienden. Daß das ursprüngliche Wesen der Wahrheit nicht gehalten werden konnte, und daß der geschichtliche Mensch überall bei seinen Machenschaften und Erlebnissen endet, ist ein und derselbe Vorgang. Kein Wunder, daß uns Heutigen nur schwer und seltenaufleuchtet, was im Anfang des abendländischen Denkens cdsAnfang geschah.



§ 34. Die Not und Notwendigkeit unseres Fragens nach der Unverborgenheit selbst aus einem ursprünglicheren Begreifen des ersten Anfangs


Das Ausharren der Griechen im Anfang, das Fragen nach dem Seienden als solchen und somit das Ausharren in der ersten Antwort, in der Entfaltung des durch sie Eröffneten, also das Nichtfragen nach der Wahrheit ist kein Versäumnis und kein Versagen, sondern das Zeugnis der Kraft des Gewachsensemsgegenüber einer Notwendigkeit. Wenn wir nun fragen undvielleicht fragen müssen, was denn jene Unverborgenheit selbstsei, dann kann dieses Fragen auch kein Nachholen eines Versäumten sein. Was muß es sein, wenn es die Vorbereitung des Geschehens eines Nodinichtgeschehenen ist? Was muß unser Fragen zum mindesten und ersten sein, und zwar notwendig?


Martin Heidegger (GA 45) Grundfragen der Philosophie p. 151

GA 45