zu versetzen, in jenes Nicht-aus-und-ein-Wissen? (Dieses wurde später, am Ende der großen griechischen Philosophie, bei Aristoteles, zum Bestandstück des Verfahrens selbst, undheute hat man daraus eine leere Technik der Schuhneisterei gemacht.) Wenn wir das Φαυμάζειν als dieses Er-staunen begreifenwollen, dann müssen wir im voraus festhalten: Es gilt, dieGrundstimmung des denkerischen Anfangs zu verdeutlichen. Daher kann es nicht genügen, ja uns sogar in die Irre leiten, wenn wir uns nur eine geläufige Vorstellung von dem zurechtlegen, was das Wort Φαυμάζειν meint.
Längst bekannt ist die Tatsache, daß die Griechen das θαυμάζει/ν als den »Anfang« der Philosophie kennen. Aber ebensogewiß ist auch, daß man dieses θαυμάζειν für etwas Selbstverständliches und Geläufiges hält, was ohne Mühe vollzogen undvollends gar ohne weiteres Nachdenken erläutert werden kann. Die üblichen Darstellungen der Herkunft der Philosophie aus dem Φαυμάζειν lauten meistens so, daß die Meinung entsteht, die Philosophie entspringe aus der Neugier, eine dürftige undklägliche Ursprungsbestimmung, möglich nur dort, wo man sich auf das, was da in seinem »Ursprung« bestimmt werden soll, nie besonnen hat. Ja, man hält sich einer solchen Besinnung gerade deshalb für enthoben, weil man meint, durch die Herleitung der Philosophie aus der Neugier auch ihr Wesen bestimmt zu haben. Man bedenkt nicht, wie endgültigdurch den Hinweis auf das θαυμάζειν als den Ursprung der Philosophie sich gerade die Unerklärbarkeit der Philosophieanzeigt, die Unerklärbarkeit in dem Sinne, daß hier überhaupt das Erklären und Erklärenwollen zu einem Fehlgriff wird.
Ein Hauptgrund der geläufigen Mißdeutung des θαυμάζεινist aber wiederum das gewohnte Verfahren, das je übliche Verständnis dessen, was das Wort θαυμάζειν meint, zum Maßstabder Deutung zu machen. Denn auch dieses Wort denkt, wie jedes wesentliche Wort jeder geschichteschaffenden Sprache, jezumal eine gemeine und eine ausgezeichnete Bedeutung und