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§ 38. Das Wesen des Erstaunens

Ganzen, daß es ist, was es ist; das Seiende als das Seiende, das ens qua ens, τὸ ὃν ᾗ ὄν. Dies, was hier mit dem »als«, dem qua, dem ᾗ benannt wird, ist jenes im Er-staunen auseinandergeworfene »Zwischen«, das Offene eines noch kaum geahnten und bedachten Spielraumes, in dem das Seiende als ein solchesins Spiel kommt, nämlich als das Seiende, das es ist, in das Spiel seines Seins.


g) Das Er-staunen versetzt den Menschen in das Vernehmen des Seienden als des Seienden, in das Aushalten der Unverborgenheit


Das Er-staunen ist das Auseinanderwerfen dieses Spielraums,dies aber so, daß es zugleich den Erstaunten mitten in das Auseinandergeworfene versetzt. Der er-staunende Mensch ist ja schon der Er-staunte, will sagen: durch diese Grundstimmung in sein von ihr gestimmtes Wesen versetzt. Das Er-staunen versetzt den Menschen aus der wirren Unentschiedenheit des Gewöhnlichen und Ungewöhnlichen in die erste Entschiedenheit seines Wesens. Im Er-staunen gestimmt, vermag er nichts anderes denn das Seiende als Seiendes zu vernehmen, will sagen:Der Mensch muß als Er-staunter in der Anerkenntnis dieses Aufgebrochenen Fuß fassen, es in seiner unergründlichen Enthüllung er-sehen und die ἀλήθεια, die Unverborgenheit, als das anfängliche Wesen des Seienden erfahren und aushalten.Denn dieses müssen wir vor allem erst wissen lernen: Die ἀλήθεια, die Unverborgenheit, ist für das anfängliche griechischeDenken das Wesen des Seins selbst. Unverborgenheit meint das aufgehende Hervortreten, die Anwesung ins Offene. Die ἀλήθεια,Unverborgenheit - wir sagen allzu nichtssagend die »Wahrheit« - kommt nicht erst zum Seienden hinzu, sofern wir es erkennen, sondern umgekehrt, in der Unverborgenheit kommt erst das Seiende ah Seiendes, d. h. als offen Anwesendes auf den Menschen zu, versetzt ihn in das Offene der Unverborgenheit und setzt den Menschen so in das Wesen eines Solchen, das

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