α) Der Wille zur Macht als Grundcharakter des Seienden im Ganzen
Allein, das menschliche Leben ist nur, was es ist, auf Grund der Einweisung in das Chaos; dieses, das Ganze des Seienden, hat den Grundcharakter des Willens zur Macht. Es gilt zu sehen, »daß der Wille zur Macht es ist, der auch die unorganische Welt führt, oder vielmehr, daß es keine unorganische Welt gibt« (XIII, n. 204; 1885). Daß »das innerste Wesen des Seins Wille zur Macht ist« (WzM n. 693; 1888), beweist Nietzsche trotz des häufig gegenteiligen Anscheins seiner Bemühungen, nicht dadurch, daß er auf Grund einer induktiven Durchmusterung aller Gebiete des Seienden schließt: überall ist das Seiende in seinem Sein Wille zur Macht; vielmehr denkt Nietzsche als Denker zuvor und stets aus dem Entwurf des Seienden im Ganzen auf dessen Sein als Wille zur Macht.
Wie steht es jedoch mit der Wahrheit dieses Entwurfes? Wie steht es mit der Wahrheit der metaphysischen und aller denkerischen Entwürfe überhaupt? Das ist, wie wir leicht sehen, eine, wenn nicht die entscheidende Frage. Zu ihrer Entfaltung und Bewältigung fehlen der Philosophie bis zur Stunde alle wesentlichen Voraussetzungen. Die Frage kann innerhalb der Metaphysik und somit auch innerhalb der Nietzscheschen Grundstellung nicht zureichend gefragt werden. Dagegen müssen wir auf ein Anderes hinweisen.
β) Die Ausweitung der Gerechtigkeit zur Grundmacht des Seienden im Ganzen: Anthropomorphie -die Vollendung des Subjektivismus und der Metaphysik der Neuzeit
Wenn die Gerechtigkeit der »höchste Repräsentant des Lebens selber« ist, wenn sich im menschlichen Leben der Wille zur Macht eigentlich offenbart, wird dann nicht die Ausweitung der Gerechtigkeit zur Grundmacht des Seienden überhaupt und die durchgängige Deutung des Seienden im Ganzen als Wille zur Macht zu einer Vermenschlichung alles Seienden? Wird die Welt nicht nach dem Bilde des Menschen gedacht? Ist solches