»Mein Freund, was hier Mich hemmt und hält, ist dein Verstand,«
Die Verständigkeit des bloßen Rechnens auf den Nutzen und den Erfolg, die Verständigkeit des Mittelmäßigen, die auch dann mittelmäßig bleibt, wenn sie wirtschaftlich-politisch sich weltweit gebärdet. Auch da ist bereits ein Vergessen der geschichtlichen abendländischen Bestimmung am Werke, eine Vergessenheit, die dadurch nicht aufgewogen wird, daß sie sich durch Reichtum und Moralität und demokratische Humanität aufputzt. Dieses Unvermögen zur weitvorausdenkenden Besinnung auf das Geschick der Geschichte des Abendlandes hat seine Wurzeln im metaphysischen Wesen des Zeitalters der Neuzeit überhaupt. Zwar konnte Nietzsche dies nicht erkennen, aber er sah gleichwohl das Unvermögen zum europäischen Denken, welches Denken das Eigenwesen des je eigenen Volkes so wenig auslöscht, daß es vielmehr dieses Eigenwesen erst in eine Höhe weist, innerhalb deren es über sich hinauswachsen und so allein es selbst sein kann in seiner geschichtlichen Bestimmung.
Der »deutsche Quer-Verstand«, der, auf seinen Eigensinn pochend, die Weite der inneren Überlegenheit nie erreicht und deshalb die heraufkommende innerste Gefahr der Geschichte nicht sieht und nicht sehen will, dieser »deutsche Quer-Verstand« ist es, woran Nietzsche mit-leidet und mitträgt, weil dieser Verstand nur das Unwesen eines Denkens ist, das allein berufen sein könnte, das zerrissene Band der geschichtlichen Überlieferung dort wieder anzuknüpfen, wo es allein angeknüpft werden kann, wenn das Abendland im Ganzen in die Ursprünge seiner geschichtlichen Bestimmung und Besinnung einkehren soll, das Band mit den Griechen. (Vgl. Der Wille zur Macht, Bd. XV, n. 419, S, 444f., 1885)
In einem Entwurf zu der damals geplanten Schrift »Wir Philologen« schreibt der 31jährige Nietzsche im Jahre 1875: