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Die Erörterung des »ist«

Überlegung und fern aller philosophischen Besinnung sagen: »Das Wetter ist schön«, dann meinen wir mit »Wetter« ein Wirkliches und Seiendes und meinen mit »schön« die wirkliche Beschaffenheit und meinen mit dem unscheinbaren »ist« die Art, wie dieses Seiende, das Wetter, so und so seiend ist, also das Sein dieses Seienden, das da »Wetter« heißt. Das »ist« nennt dabei nicht ein Seiendes, nichts dergleichen wie »das Wetter« und das »schön«. »Das Wetter« und »schön« wiederum nennen ein Seiendes und nichts dergleichen wie das »ist«.

Das Wetter bestimmt sich aus der Sonnenwärme, der Rückstrahlung der Erde und ihrer Bodenverhältnisse, aus Wind (Luftströmung), aus der Feuchtigkeits Verteilung, aus elektrischen Zuständen der Atmosphäre und dergleichen mehr. Das Wetter und was so zu ihm gehört, können wir unmittelbar beobachten und mit geeigneten Apparaten feststellen. Wir können danach ausmachen, ob das Wetter gut ist oder schlecht ist oder »zweifelhaft« ist. Das Gute, das Schlechte, das Zweifelhafte am Wetter können wir sehen, spüren; das Wetter und seinen Zustand können wir antreffen. Wo aber steckt das »ist«? Was meint dies, und worin besteht dieses, daß das Wetter »ist« und daß es schön »ist«? Das schöne Wetter - daran können wir uns erfreuen; aber das »ist«? Was sollen wir damit? Wir können am Feuchtigkeitsmesser zwar ablesen, ob die Luft mehr oder weniger feucht ist; aber es gibt keine Instrumente zur Feststellung und Erfassung des »ist«, dessen, was wir mit dem »ist« meinen. Damit wir es in aller Umständlichkeit sagen: Es gibt Feuchtigkeitsmesser, Windstärkemesser, Luftdruckmesser, die angeben, wie das Wetter »ist«, aber es gibt keine »Ist«messer, kein Instrument, das das »ist« selbst messen und fassen könnte. Und dennoch sagen wir: Das Wetter — es selbst nämlich — ist so und so. Wir meinen dabei jeweils das, was ein Seiendes ist, dies, ob es ist, die Art, wie es »ist«; wir meinen das Sein des Seienden. Indem wir solches meinen, das Sein nämlich, beachten wir gleichwohl stets nur das jeweilige Seiende.

Im genannten Falle »interessiert« uns die Wetterlage, das


Martin Heidegger (GA 51) Grundbegriffe