haben den Diplom-Volkswirt, seit kurzem den Diplom-Holzwirt, und jetzt bekommen wir den Diplom-Psychologen. Nun werden wir ja bald in Tabellen und Kurven ablesen können das, was die Amerikaner freilich schon seit Jahrzehnten auf dem Wege der Diplom-Psychologie suchen: die Feststellung, was der Mensch sei und wie er am zweckmäßigsten, ohne Zeitund Kraftverlust, an der geeignetsten Stelle am wirksamsten zu gebrauchen sei. Aber vielleicht hat sich die Frage, wer der Mensch sei, vor aller Diplom-Psychologie schon entschieden. Alle Anthropologie und Diplom-Psychologie machen nur von der Entscheidung den organisierten Gebrauch. Die Entscheidung ist die längst erkannte: Homo est animal rationale. Der Mensch ist das vernünftige Tier. (Weshalb der Mensch auch das vermag, was das Tier niemals fertig bringt, weil dazu Berechnung und Vernunft gehört, nämlich unter das Tier hinabzusinken.)
Wenn das Menschentum in seinem Wesen also feststeht, was soll dann noch eine Besinnung auf den Bezug des Menschen zum Sein? Läuft eine solche Besinnung auf das Sein nicht jedem natürlichen Selbstbewußtsein des Menschen zuwider? Außerdem schließt ja die Bestimmung des Menschen (animal rationale) nicht aus, daß die Betrachtung des Menschen erweitert wird. Man kann den Menschen in seinen verschiedenen Lebenskreisen, also in seinen Beziehungen zum Seienden untersuchen.
2. Erinnerung in den ersten Anfang ist Versetzung in das noch wesende Sein, es als Grund be-greifen
Die Besinnung auf das Sein ist die Erinnerung in den ersten Anfang des abendländischen Denkens. Diese Erinnerung in den ersten Anfang ist Vordenken in den anfänglicheren Anfang. Die Erinnerung ist kein historischer Umtrieb im Vergangenen, gleich als wollte sie von außen und vom Späteren her vergegenwärtigen, was frühere Denker vormals »über« das