denken an die verlassene und dabei noch unangeeignete Heimat nimmt, gibt sie im Fremden, zu dem sie als einem Fremden führt, doch erst das Vordenken an das Andere des Fremden. Das ist das Eigene.
65. Das Stiften des kommenden Heiligen im Wort
Insgleichen entbindet die Liebe den Blick aus den Banden des Zufälligen und wandelt ihn zum Wesensblick, der »mit Fleiß«, d. h. absichtlich es nur abgesehen hat auf das Wesenhafte. Das ist die Entgegnung der Menschen und Götter: das Brautfest.
Doch wenn auch Seefahrt und Liebe im Andenken an das Gewesene schon vordenken in das Kommende, so genügen sie, für sich genommen, mit aller Mühsal und allem Fleiß nie dem, was der Sorge anvertraut ist. Sie bereiten die Weile des ausgeglichenen Schicksals vor und bereiten ihm doch nicht das Offene, darin es geschichtlich sein und dem Menschen die Wohnstatt gewähren kann. Der Mensch aber »wohnet dichterisch auf dieser Erde.« Die Weile wird erst bereitet, wenn das Verweilende offenbar werden kann und das Offene der Darstellung findet.
Das Heilige muß in seinem anfänglichen Kommen gesagt, ins Wort gegründet, als das Wort den Erdensöhnen geschenkt werden und so ihre Sprache wieder zum Gespräch zurückbringen. Erst im Wort erlangen die Liebe und die Taten ihren Wesensgrund. Das anfänglich Kommende läßt sich jedoch nicht »zusammenbringen« nach der Weise der Maler. Die gründende Schenkung des Anfänglichen ist Stiftung. Stiften können nur die über den Steg an die Quelle gegangenen Dichter. Weil an der Quelle jedoch alles anfänglich ist, muß auch das Wesen dieser Dichtung erst gedichtet werden. Hölderlin hat das Wesen der kommenden Dichter gedichtet und alles in das eine Wort verschlossen:
Was bleibet aber, stiften die Dichter.