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Die metaphysische Vorstellung von Raum und Zeit
streiften Bereich uns überhaupt nicht ganz verirren, mag es erlaubt sein, schematisch, und d. h. stets mit Hilfe von Übertribungen und Vergröberungen, vorläufige Unterscheidungen anzumerken.
Raum und Zeit sind der Rahmenbau für das rechnend beherrschende Ordnen der »Welt« als Natur und Geschichte. Diese rechnende, entdeckende, erobernde Durchmessung der Welt vollzieht der neuzeitliche Mensch in einer Weise, deren ausgeprägtes metaphysisches Kennzeichen die neuzeitliche Maschinentechnik ist. Metaphysisch unentschieden bleibt in diesem Vorgang, ob das raumgreifende und zeitraffende Vorgehen des neuzeitlichen Menschen nur dazu dient, innerhalb des Ganzen des Planeten eine Stellung zu beziehen, die der Lebenszeit dieses Menschentums den ihm gemäßen »Lebensraum« sichert, oder ob diese Raum- und Zeitsicherung in sich die weitertragende Bestimmung hat, ihrerseits neue Möglichkeiten des raumgreifenden und zeitraffenden Vorgehens zu erreichen und dieses zu steigern. Metaphysisch unentschieden bleibt, ob und wie dieser Wille zur planetarischen Ordnung sich selbst seine Grenze setzt. Wenn es im Blick auf diesen Vorgang, der alle Völkerschaften und Nationen des Planeten erfaßt hat, momentweise so aussehen mag, als werde der neuzeitliche Mensch zu einem bloßen planetarischen Abenteurer, so tritt doch zugleich da eine andere und fast gegenteilige Erscheinung in den Vordergrund: Die raumgreifenden Bewegungen stehen im Zusammenhang mit Siedlung und Umsiedlung. Siedeln ist als Gegenbewegung eine Bewegung zur Bindung an einen Platz. Allein, auch hier ist unser Gesichtskreis viel zu beschränkt, als daß entschieden oder auch nur vermutet werden könnte, ob eine Drosselung des Abenteuerlichen ein Heimisch wer den in sich schließt, oder doch wenigstens eine Bedingung desselben auszumachen vermag.