den Chor der thebanischen Ältesten, liegt klar am Tag. Das ist Kreon, der Herrscher im Staat. Von der πόλις ist ja in der unmittelbar voraufgehenden Strophe auch die Rede. Das 'Wort: Nichts Unheimlicheres gibt es als den Menschen, meint eben dann nur, daß im Geschlecht der Menschen einige und einzelne den höchsten Grad der Unheimlichkeit, d. h. der Gewalttätigkeit und des Übermutes erreichen und dadurch überhaupt in den Bezirk des Unheimlichen hineinreichen, daß aber »sonst« und gewöhnlich der Mensch doch ein gutmütiges Geschöpf und ein harmloses Wesen sei, vollends wenn er so schuldlos geartet ist wie diese Antigone, die der böse Kreon in den Tod schickt, weil sie sein Gebot, ihren Bruder Polyneikes unbestattet zu lassen, übertreten hat.
Diese in der Tat allerdings harmlose Auslegung der Antigone-Tragödie setzt voraus, daß die Antigone, die doch auch ein Mensch ist, außerhalb des Bezirkes des δεινόν bleibt. Auf sie trifft das Wort des Chorgesanges nicht zu. Die Frage, ob diese Ansicht die wesentliche Wahrheit der Tragödie und damit auch die Wahrheit des Chorgesanges faßt oder verfehlt, läßt sich offenbar nur durch eine Auslegung der ganzen Dichtung beantworten. Allein, wir brauchen hier diese Aufgabe nicht zu übernehmen. Es genügt, wenn wir ein Wort der Antigone selbst vernehmen, und zwar ein Wort, das sie in jener Zwiesprache mit der Schwester Ismene sagt, die das Ganze der Tragödie einleitet. Genau beachtet ist das Wort der Antigone ihr letztes Wort in dieser Zwiesprache, der das Chorlied erst später folgt und die es also auch mit im Sinn hat.
Wiederholung
Ȇberallhinausfahrend unterwegs, erfahrungslos ohne
Ausweg
kommt er zum Nichts.«