Strenge des dichtenden, denkenden, bildenden Fassens vermochten sie erst den Göttern in einer hellgefügten Anwesenheit entgegenzukommen. Dies war das griechische Bauen am Wesensgrund der πόλις. Die Schwäche der Griechen lag darin, sich nicht fassen zu können angesichts des Übermaßes des Geschickes und seiner Schickungen. Aus der Gewalt des Feuers, d. h. des ihnen ursprünglich »Natürlichen«, hatten sie ein Übermaß an Schicksal. Ihre Größe wurde es, das sich Fassenkönnen gelernt zu haben (V, 258), um dadurch erst im Eigenen »zu Hauß« zu sein.
Das »Natürliche«, d. h. das als Eigenes Mitgegebene der Deutschen aber ist umgekehrt die Klarheit der Darstellung, das Fassenkönnen, das Bilden der Entwürfe und Einfassungen und Gerüste. Das Bereitstellen der Rahmen und Fächer, das Einteilen und Gliedern reißt sie fort. Dieses »Angeborene« wird den Deutschen solange nicht eigentlich ihr Eigenes, als dieses Fassenkönnen nicht in die Notwendigkeit gebracht wird, das Unfaßliche zu fassen und sich angesichts des Unfaßlichen zu fassen. Aus diesem Wissen von der Geschichtlichkeit der Deutschen und nur aus ihm sind die harten Worte Hölderlins am Schluß des »Hyperion« zu denken. (vgl. 11, 282ff.) Was den Deutschen fehlt, was ihnen somit als das ihnen Fremde erst entgegenkommen muß, ist »das Feuer vom Himmel«. Dieses müssen die Deutschen erfahren lernen, um in der Betroffenheit durch das Feuer in die rechte Aneignung ihrer eigenen Darstellungsgabe gezwungen zu werden. Sonst bleiben die Deutschen in der Gefahr und Schwäche, aus der Übereilung ihres Vermögens jedes Feuer niederzuschlagen und das Fassenkönnen und Einfassen um seiner selbst willen zu betreiben und gar das Einfassen und Einrichten für das Feuer selbst zu halten. Daher ist es die reine Selbsterfahrung des eigenen Dichtens, wenn Hölderlin im Unterschied zum Griechentum von den Deutschen sagt: »da hingegen die Haupttendenz in den Vorstellungsarten unserer Zeit ist (will sagen: der Zeit der Deutschen), etwas treffen zu können, Geschik zu haben,