sich des Seienden, »beherrscht« es und ist dadurch darüber hinaus und überholt es so ständig. Ganz anderer Art ist das wesentliche Wissen. Es geht auf das, was das Seiende in seinem Grunde ist — auf das Sein. Das wesentliche »Wissen« meistert nicht das von ihm zu Wissende, sondern wird von diesem angegangen. Alle »Wissenschaft« ζ. B., aber auch anderes, ist eine kenntnismäßige Meisterung, ein Übertrumpfen und ein Überholen, wenn nicht gar ein Überrennen des Seienden. Das alles vollzieht sich in der Weise der Vergegenständlichung. Das wesentliche Wissen dagegen, die Achtsamkeit, ist das Zurücktreten vor dem Sein. Bei diesem Zurücktreten sehen wir und vernehmen wir wesentlich mehr, nämlich ganz anderes als bei dem merkwürdigen Vorgehen der neuzeitlichen Wissenschaft, das immer ein technischer Angriff auf das Seiende und ein Eingriff ist zu Zwecken der handelnden, »schaffenden«, geschäftigen und geschäftlichen »Orientierung«. Die denkende Achtsamkeit bleibt dagegen ein Aufmerken auf einen Anspruch, der nicht aus den vereinzelten Tatsachen und Vorgängen des Wirklichen kommt und den Menschen auch nicht in den Vordergründen seiner alltäglichen Umtriebe angeht. Nur dann, wenn dieser Anspruch des Seins und nicht irgendein Gegenständliches aus der Mannigfaltigkeit des Seienden uns im Wort des Parmenides anspricht, hat die Kenntnis seiner »Sätze« ein Recht. Ohne das Aufmerken auf diesen Anspruch geht auch alle Sorgfalt, die wir auf die Erläuterung dieses Denkens verwenden mögen, ins Leere. Die Reihenfolge, in der wir die einzelnen Stücke erläutern, wird aus der Deutung des Leitgedankens bestimmt, die wir den einzelnen Erläuterungen zugrunde legen, welche Deutung allerdings nur schrittweise ans Licht kommen kann.
Die einzelnen Bruchstücke sind mit römischen Zahlen gezählt. Wir beginnen, wie es scheinen mag willkürlich, mit dem I. Fragment, und zwar mit den Versen 22—32.