ἀλλότρια treiben, d. h. unpassende Dinge? Wieder liest der Denker in den Mienen der Umstehenden ein ratloses Sichwundem. Wiederum spricht er sie an. Allein sein Wort hat jetzt einen anderen Ton. Das Wort der ersten Geschichte ist ermutigend, einladend. Jetzt fragt er: τί, ὦ κάκιστοι, θαυμάζετε; »Was, ihr Schufte, bestaunt ihr da?« Das Wort ist heftig, verachtend, abweisend. Das erstgenannte Wort lud die Umstehenden ein, mit ihm die Anwesenheit der Götter zu erfahren. Im jetzt gesprochenen Wort schließt sich der Denker entschieden aus von dem, was die Umstehenden treiben. Der Denker will, so scheint es wenigstens, nichts zu tun haben mit dem πολιτεύεσθαι, der Sorge um die πόλις.
Man könnte hier versucht sein, die ›Situation‹ modem zu deuten und zu vermerken, daß der Denker sich hier als einen ›unpolitischen‹ Menschen bekenne, der sich nur im Zirkel seiner ›privaten Existenz‹ eigensüchtig herumdrehe. Aber solche Modernisierungen und bei den Historikern fast unvermeidliche ›Anspielungen‹ auf die jeweilige Gegenwart sind jedesmal von übel, weil sie im voraus schon darauf Verzicht tun, dem Gewesenen sein geschichtliches Eigenwesen zu lassen und d. h. geschichtlich zu denken. Ein anderes nämlich ist es, historisch ein Bild der Vergangenheit für die jeweilige Gegenwart herzustellen, ein anderes, geschichtlich zu denken, d. h. das Gewesene als das schon wesende Kommende zu erfahren. Alle nur historischen Verlebendigungen der Vergangenheit sind stets die schlechten Fassaden geschichtlicher Irrtümer.
Im Falle des Heraklit ist gar nicht ausgemacht, ob der Verzicht auf das πολιτεύεσθαι auch schon eine Absage an die πόλις einschließt. Wie, wenn, griechisch gedacht, die Sorge um die
Anwesenheit der Götter die höchste Sorge um die πόλις wäre? So steht es in Wahrheit; denn die πόλις ist', immer griechisch
gedacht, der Pol und die Stätte, um die sich alles Erscheinen des wesenhaft Seienden und damit auch das Unwesen alles
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