sein dürfte. Nun zeigt sich aber bei einer Besinnung, für die nur der Mut zum Einfachen nötig ist, jedoch nicht ein Tiefsinn und schon gar keine Gelehrsamkeit, dieses: der Mensch, der seinem Wesen nach ›das Wort hat‹, ›hat‹ das Wort aller Worte gerade verloren, sofern er das Wort ›Sein‹ wie das Nichtigste alles Nichtigen gedankenlos dahinsagt und es dennoch nie ganz wegwirft, weil er es offenbar nicht wegwerfen kann, ohne das eigene Wesen zu verlieren.
Setzen wir aber einmal den Augenblick, da dem Menschen jede Möglichkeit, das Wort ›ist‹ und das Wort ›Sein‹ zu sagen und zu verstehen, entzogen wird, versuchen wir, auch nur einige Minuten lang auszudenken, was dann aus dem Menschen würde. Keine Katastrophe, die über den Planeten hereinbrechen könnte, läßt sich mit diesem unscheinbarsten aller Ereignisse vergleichen, daß dem Menschen plötzlich der Bezug zum ›ist‹ genommen würde. Aber diese Katastrophe ist längst da, nur merkt sie noch niemand in ihrem Wesen. Der geschichtliche Mensch ist soweit, daß er das ›ist‹ und das ›Sein‹ vergessen hat, sofern er sich dessen entschlägt, das in diesem Wort Genannte zu bedenken. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem ›Sein‹ lagert um den Planeten. Der Mensch läßt sich von der Flut der Seinsvergessenheit überspülen. Doch in Wahrheit ist es nicht einmal mehr ein Untertauchen in dieser Flut. Denn dazu müßte ja die Seinsvergessenheit selbst noch erfahren sein. Allein diese Seinsvergessenheit ist bereits selbst vergessen, was freilich dem Wesen der Vergessenheit entspricht, die alles, was in ihren Umkreis kommt, in sich hinabzieht wie ein Sog.
Was aber sagen die Denker der Metaphysik, die durch Platon und seit Platon zu ›Wächtern‹ über das Sein des Seienden bestellt sind? Was sagt der letzte Denker innerhalb der Geschichte der Metaphysik vom Sein des Seienden? Nietzsche sagt: das ›Sein‹ ist der letzte Rauch einer verdunstenden Realität. Wird hier nicht durch die Metaphysik selbst die Seinsvergessenheit eigens ins Recht gesetzt? Allerdings. Also lohnt es sich nicht mehr, an solches, was nur noch ein bloßer Dunst