sagt; daß wir diesen Versuch wirklich vollziehen und somit in diesem Versuch des Denkens unseren Verstand anstrengen.
Wir versuchen, das Aufgehen zu denken als das, was zum Untergehen in einer wesentlichen Beziehung steht und somit in seinem Wesen als Aufgehen irgendwie ein Untergehen ist. Versuchen wir dieses zu denken, dann steht uns der Verstand still. Dahin müssen wir zuerst gelangen, daß uns unser Verstand, d. h. das gewöhnliche Denken, still steht und sich anders in Gang bringt.
§ 6. Aufgehen und Untergehen. Die Gunst (φιλία) als die wechselseitige Gewähr ihres Wesens. Hinweise auf die Fragmente 35 und 32
a) Das Aufgehen (φύσις), die Gunst (φιλία) und das Sichverbergen (κρύπτεσθαι)
Von der φύσις sagt Heraklit φιλεῖ wörtlich übersetzt heißt das: die φύσις ›liebt‹. Wir können dieses Wort φιλεῖν in vielerlei Bedeutungen nehmen. Aber wir dürfen jetzt nicht so verfahren, wie es uns und unseren Einfällen beliebt.
Die φύσις ›liebt es‹, ›hat es gern‹; »das Wesen der Dinge versteckt sich gern«, das lautet fast so wie der Satz: ›Kinder naschen gern‹ -oder: ›die Großmutter sitzt gern in der Nähe des Ofens«. Das Wesen der Dinge, die φύσις, »versteckt sich gern«. Diese reichlich tantenhafte Vorstellung von der φύσις müssen wir, auch wenn sie philologisch exakt ist, doch wohl beiseite lassen. Warum erwähnen wir sie dann noch? Weil dieses übersetzen nur die letzten Ausläufer zeigt der überall für selbstverständlich gehaltenen Auffassung des Anfangs des abendländischen Denkens: daß man diesen nämlich von der Metaphysik her als deren unausgebildete Vorstufe verstehen müsse. Die unausweichlichen Folgen dieser Meinung zeigen