§ 6. Aufgehen und Untergehen
angeführten Wort! nicht unmittelbar ausmachen. Das Wort des Parmenides soll jetzt nur verdeutlichen, daß im Anfang das Bezughafte west, weder ein Ding noch ein Zustand. Das Wort des Parmenides läßt sich aber vor allem nur dann nachdenken, wenn wir einen zureichenden Begriff dessen denken, was die Griechen θεοί nennen.)
Im Aufgehen und als Aufgehen entgeht dieses keineswegs dem Sichverschließen, sondern nimmt dieses für sich in den Anspruch als dasjenige, was das Aufgehen gewährt und allein und stets die einzige Gewähr für das Aufgehen gönnt. Eines gönnt sich dem anderen. In diesem Gönnen ist der Innigkeit beider das einfache ›Wesen‹ vergönnt. Die φιλία und das φιλεῖν fällt der φύσις nicht erst zu. Die Gunst ist die Weise, aus der die Rückgründung des Aufgehens in das Sichverschließen, aber auch die Überholung des Aufgehens durch das Sichverschließen, aber auch die Vorgründung des Sichverschließens in das Aufgehen wesen, wie sie wesen. Die Gunst wiederum ist nicht etwas für sich und außer dem φύειν und κρύπτεσθαι, sondern das Gönnen hat die Wesensart des Aufgehens und Sichverschließens. Die Gunst ist die Innigkeit der einfachen Unterscheidung; das Gönnen läßt die reine Klarheit erstehen, in der Aufgehen und Sichverbergen auseinander und aufeinander zugehalten sind und also miteinander streiten um die einfache Gewähr des einfach gegönnten Wesens. Die Gunst ist der Grundzug der ἔρις, des Streits, sofern wir diesen anfänglich denken und nicht sogleich und nur aus dem Widrigen der Ungunst und der Mißgunst als den Hader und den Zwist vorstellen.
Das Aufgehen gönnt dem Sichverschließen, daß dieses jenem das Wesen vergönnt und so sich selbst in der Gunst des eigenen Wesens bewahrt, die ihm durch das Aufgehen gegönnt ist. Was dergestalt als das Einfache der Gunst des verbergenden Aufgangs west, läßt sich durch das eine Wort φύσις benennen.
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Heraclitus p. 101