denken und mitbedenken. Dann kann überhaupt das Sein und die Wahrheit nie so erfahren und mitgeteilt werden, daß einer sie geradehin nur heraussagt und gleichsam vorstellt. Der Denker, der die φύσις denkt, muß darauf achten, daß ihr Wesen als das gedacht und gesagt wird, als welches es sich in dem Spruch φύσις κρύπτεσθαι φιλεῖ ausspricht.
c) Zum Vernehmen und Sagen des Seins im anfänglichen Denken: der λόγος und die Zeichen. Die Zeichen des Apoll als das Sichzeigen der φύσις. Fragment 93. Zu Wahrheit und Wort des Seyns in der abendländischen Geschichte
Die inzwischen genannten Sprüche zeigten, daß die φύσις ist διαφερόμενον ἑωυτῶι συμφερόμενον – das sich zu sich selbst auseinanderbringende Zusammenbringen. Dies ihr Wesen, die unscheinbare Fügung der Gunst, erscheint in Bogen und Leier, in den Zeichen der Artemis. Dieselben Zeichen trägt Apollon, der Bruder der Göttin Artemis. Er ist mit der Schwester Artemis der Gott des Heraklit. Ein Spruch ist erhalten, in dem der Denker diesen Gott selbst nennt, und das heißt ihn in seinem Wesen sichtbar macht. Heraklit sagt hier, in welcher Weise Apollon der Hereinblickende und Erscheinende ist und wie er in seinem Erscheinen den Wink gibt in das Sein. Der Gott selbst muß in der Weise, wie er der Gott ist, dem Sein, d. h. dem Wesen der φύσις entsprechen. Das Fragment 93, das wir als den zehnten Spruch nehmen, lautet:
ὁ ἄναξ, οὗ τὸ μαντεῖόν ἐστι τὸ ἐν Δελφοῖς, οὔτε λέγει οὔτε κρύπτει ἀλλὰ σημαίνει.
»Der Hohe, dessen Ort der weisenden Sage der in Delphi ist, weder entbirgt er (nur), noch verbirgt er (nur), sondern er gibt Zeichen.«
λέγειν ist hier eindeutig als das Gegenwort zu κρύπτειν gebraucht und bedeutet deshalb im Gegensatz zu »Verbergen«