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Heraklits Lehre vom Logos

schon ein Denken, worin an das Denken und nur an dieses gedacht wird.

Kommt dies aber nicht darauf hinaus, daß im Denkenlernen lediglich ›an‹ das und ›über‹ das Denken gedacht wird? So scheint es. Denn die ›Logik‹ als die Lehre vom richtigen Denken ist doch ein Denken über das Denken. Allein dies, nämlich das Denken ›über‹ das Denken, ist offenkundig ein recht gekünsteltes, fast widernatürliches Tun; über das Denken denken — das hat etwas Verkrümmtes und Verbogenes an sich, worin und wobei sich das Denken auf sich selbst zurückbiegt und zurückbeugt und seinen geraden Gang aufgibt. Zurückbeugung heißt Reflexion. Das Reflektieren hemmt das Handeln und hat die Entschlußlosigkeit zur Folge. Und gar noch das Denken über das Denken, ist das nicht der Ausbund der Reflexion? Das ist wie die Reflexion über die Reflexion; das kreist leer um sich selbst und löst sich los von allen Sachen. Außerdem aber ist das Denken über das Denken dem natürlichen Denken fremd und ungewohnt, eine abseitige Beschäftigung, bei der wir schwer einen Anhalt und ein Leitseil finden. Über das Denken denken, ›Logik‹, das ist die totale Abstraktion. Durch sie und in ihr soll ein Lernen sein, daraus wir denken lernen? Alle Lernen bedarf doch der einfachen, geraden Wege, auf denen uns das Zu-lernende unmittelbar anschaulich begegnet; das Lernen bedarf des langsamen Beginns und des stufenweisen Fortschreitens ohne Verbiegung und Verwicklung. Über das Denken denken — was könnten wir Verwickelteres und vielleicht gar Verstrickteres vorhaben als dies? Der oft bemühte gesunde Menschenverstand hat daher auch schon vielfach seinen Verdacht gegen die Logik und deren Nutzen geäußert. Man sagt: Wenn das Denken schon eigens gelernt werden soll, und wenn richtig denken immer auch bedeutet ›sachlich denken‹, dann lernen wir am sichersten denken im denkenden Umgang mit den Sachen. Historisch denken lernen wir in den historischen Wissenschaften. Wozu bedarf es da der Logik?


Martin Heidegger (GA 55) Heraklit