Wesensgesetz oder gar deren noch verborgener Wesensgrund. Was zur ›Sache‹ gehört, entscheiden die Hinsichten und Richtungen des Untersuchens, die das Fach zum Zwecke seines eigenen Fortbestandes vorschreibt als die allein möglichen Wege der Vergegenständlichung der Sache.
Was besagt das für die ›Logik‹ und für das, wovon sie handelt, für den λόγος? Es bedeutet einmal, daß ›die Logik‹ stets aus der Unterscheidung gegen die anderen Fächer der Philosophie betrieben wird und durch diese Verflechtung selbst nicht mehr frei ist in ihrer Aufgabenstellung und in ihrem Vorgehen. Es bedeutet zum anderen, daß die Logik selbst den λόγος nur so in den Blick kommen läßt, wie das ihrer Fragerichtung gemäß bleibt. Der λόγος ist für die Logik das λέγειν als Aussagen, Urteilen; ist Tätigkeit der ratio, ist Vernunfthandlung. Die ›Logik‹ ist die Lehre von der Vernunft. Die Vorherrschaft des Faches vor der im Fach erörterten Sache verfestigt sich nicht nur in den Wissenschaften, sondern vor allem in der Philosophie selbst, die ausschließlich aus der Nachbarschaft zu den Wissenschaften als Wissenschaft gesucht und entfaltet wird.
(Die Philosophie ist seit Aristoteles und Platon die ἐπιστήμη ζητουμένη, »die gesuchte Wissenschaft«. Diese Kennzeichnung ist keine Tatsachenfeststellung, sondern eine Wesensbestimmung, die gesuchte zu sein als die sich zum absoluten Wissen der Metaphysik herausbildende; es gilt, sie als die erste Wissenschaft auszubilden. Darin liegt für das neuzeitliche Denken die Aufgabe, die Philosophie zur absoluten Wissenschaft zu erheben, die in den Stand gesetzt wird, den bisherigen Namen Philo-sophie im Sinne einer Liebe zum Wissen abzulegen, nachdem sie das absolute wissenschaftliche Wissen geworden ist.)
Die Vorherrschaft der Fächer innerhalb der Philosophie bleibt auch dort ungebrochen, wo Denker des höchsten Ranges in der einfachen Verwunderung über das Selbstverständliche gegen die geläufigen Vorurteile des Faches aus der Sache denken. So beginnt Kant die Vorrede seiner 1785 erschienenen