Zudenkende ist. Wenn aber die Feme, die sich hier in solchem Denken öffnet, jene Tiefe wäre, in der unversehens doch einmal das Tiefste gedacht sein könnte? Diese Überlegungen zeigen nur dies: das Wesen der ›Logik‹ und ihr Anspruch, den λόγος zu begreifen, ist fragwürdig. Das aber gilt allein schon deshalb, weil das Wesen des λόγος dunkel bleibt. Ja, es könnte sein, daß der λόγος selbst, von sich aus, ein Dunkel um sein Wesen legt. Dann wäre es freilich mit der gängigen Bestimmung des Menschen: ζῷον λόγον ἔχον seltsam bestellt. Dann müßten wir uns entschließen, an den Gerechtsamen der ›Logik‹ ernstlich zu zweifeln. Dann genügt es nicht mehr, sich auf Aristoteles als den ›Vater der Logik‹ zu berufen. Dann wäre es nach zweieinhalb Jahrtausenden endlich Zeit, einmal auch nach der Mutter der Logik zu fragen. Sie scheint vergessen und unbekannt zu sein. Vielleicht aber ist der Ursprung der Logik weder beim Vater noch bei der Mutter, noch bei beiden. Was ist der λόγος selbst? Inwiefern empfängt aus ihm das Wesen des Denkens und die Lehre vom Denken die Bestimmung? Was ist der λόγος, daß ihm das Denken und nur es und es eigentlich zugehört? Was ist das Denken? Für die Logik ist der λόγος die Aussage. Als Aussage gehört er zum Sagen. Das Sagen ist Reden und Sprache. Der λόγος ist eine Erscheinung der Sprache. λόγος ist daher verbum und Wort. Das ist dem abendländischen Denken alles längst geläufig. Gleichwohl müssen wir uns einprägen, daß λόγος nicht» Wort« und nicht »Rede« und nicht »Sprache« bedeutet. Das ergibt sich schon daraus, daß die Grundbedeutung des griechischen Wortes λόγος in keiner Weise dergleichen wie »Rede« und »Sprache« meinen kann, ja überhaupt nicht auf Sprachliches und Sprachartiges hindeutet. Andererseits steht freilich ebenso gewiß fest, daß λόγος und das dazugehörige Zeitwort λέγειν früh schon bei den Griechen soviel wie »reden« und »sagen« bedeutet. Das sind zwei unbestreitbare Tatbestände, denen wir ins Gesicht sehen müssen. In ihrem Nebeneinander verbergen sie etwas Rätselhaftes.