b) Weltanschauung als Grenze der kritischen Wertwissenschaft
Oder ist noch eine ganz andersartige, kritische, wissenschaftliche Auffassung des Themas möglich? Besinnt man sich darauf, daß die Erkenntnistheorie der Gegenwart, soweit sie nicht dem kritischen Realismus - der auch ein naiver ist - im Anschluß an Aristoteles huldigt, in der entscheidenden Nachwirkung oder Erneuerung Kants steht, dann wird die Hoffnung auf eine Metaphysik im alten Sinne wesentlich zurückgeschraubt: Eine erfahrungstranszendente Erkenntnis von übersinnlichen Realitäten, Kräften, Ursachen gilt als unmöglich.
Die Philosophie erhält ein wissenschaftliches Fundament in der kritischen Erkenntnistheorie, auf deren Grundeinsichten die übrigen philosophischen Disziplinen: Ethik, Ästhetik und Religionsphilosophie, aufbauen. In allen diesen Disziplinen und in der Logik selbst - führt die »kritische« Besinnung auf letzte Werte, absolute Gültigkeiten zurück, deren Gesamtheit sich in einen geordneten Systemzusammenhang bringen läßt.
Das System der Werte stellt allererst die wissenschaftlichen Mittel bereit für die Ausbildung einer kritischen, wissenschaftlichen Weltanschauung. Diese Auffassung der Philosophie steht in scharfem Gegensatz gegen jede Art unkritischer Spekulation und konstruktiven Monismus. Sie schafft die wissenschaftlich erarbeitete Basis, auf der eine mögliche, ihr kongruente, also demnach selbst wissenschaftliche Weltanschauung nacherwächst, eine Weltanschauung, die nichts anderes sein will als die Deutung des Sinnes menschlichen Daseins und menschheitlicher Kultur mit Rücksicht auf das System der absolut gültigen oder im Verlauf der Menschheitsentwicklung als gültige Normen zur Ausformung gekommenen Werte des Wahren, Guten, Schönen und Heiligen.
In der strengen Durchhaltung des erkenntnistheoretischen Kritizismus bleibt die Philosophie im Bereich des Bewußtseins; dessen drei Grundarten von Tätigkeiten: Denken, Wollen, Fühlen, entsprechen die logischen, ethischen und ästhetischen