105
§ 24. Zur Bedeutsamkeit der Lebenserfahrung

deutsamkeiten: Beschäftigungs-, Beteiligungs-, Verwertungs-, Schicksalshorizonte. Ich lebe im Faktischen als einem ganz besonderen Zusammenhang von Bedeutsamkeiten, die sich ständig durchdringen, d. h. jede Bedeutsamkeit ist Bedeutsamkeit für und in einem Tendenz- und Erwartungszusammenhang, der immer neu im faktischen Leben sich bildet [eigentliche Form: Situation - geöffnete]. In diesem unabgehobenen Charakter der Bedeutsamkeit steht das faktisch in faktischen Lebenszusammenhängen Erfahrene.

Das darf nicht so verstanden werden, als hätte alles faktisch Erfahrene für mich jeweils den ausdrücklichen Charakter der besonderen Bedeutung für mich; im Gegenteil, diese MichBezogenheit, in der Weise einer solchen ausdrücklichen, fehlt gerade. Das heißt, es gibt für dieses Erfahren keine Schranken, keine Barrieren. Fragen wie: ob die Welt unabhängig von meinen Gedanken an sie existiert, sind sinnlos. Es gibt keine Gedanken, die lediglich irgendwo existieren und von denen eine existierende Welt abhängig sein soll (Außenwelt - Innenwelt u. ä.).

Das faktische Leben stößt sich nicht an erkenntnistheoretischen Theorien. Diese sind keine möglichen Hemmungen, sofern es in faktischen Bedeutsamkeitsbezügen lebt.

Wenn ich den Bekannten mich grüßend sehe und im faktischen Sehen den Gruß herzlich erwidere, sah ich ihn grüßen, nicht etwa eine Bewegung eines materiellen Körpers im objektiven Raum, die ich als Zeichen für Gruß auffasse und daraus schließe: also muß ich auch eine Bewegung vollziehen, die die Ursache dafür ist, daß der andere besondere Bewegungen wahrnimmt und sie als mein Grüßen auffaßt, sondern ich sehe ihn grüß en; und die Existenz des Bekannten ist seine bestimmte Bedeutsamkeit für mich in dieser Situation. Wenn ich un Zweifel bin, frage ich nicht meinen Begleiter: »War da drüben eine Armbewegung wirklich?«, sondern ich frage: »Hat der Herr gegrüßt oder nicht?« Oder wenn ich scherzhaft einem Bekannten nachfrage: »Existiert der eigentlich noch?«, und es

GA 58