betrifft auch nicht die Einschränkung des Gegenstandsgebietes der Philosophie auf ›Erfahrung‹ im Sinne der empirischen Erfahrung. Was positiv gemeint ist, wird nur in einer eingehenden Betrachtung des Sinnzusammenhangs der faktischen Lebenserfahrung zugänglich.6 Es sei hier lediglich anzeigend hingewiesen durch einen Charakter der faktischen Lebenserfahrung. Es ist das die Eigentümlichkeit, die ich als Verblassen der Bedeutsamkeit bezeichne. Es ist kein Verschwinden, sondern ein Verblassen, d. h. ein Übergang in das Stadium und in den Modus der Nicht-Ursprünglichkeit, wo die Echtheit des Vollzugs, vorab die Vollzugserneuerung fehlen, die Bezüge selbst sich abschleifen, und wo lediglich der selbst nicht mehr ursprünglich gehabte Gehalt ›interessiert‹.7 Verblassen hat nichts zu tun mit ›aus dem Gedächtnis verlieren‹, ›vergessen‹ oder mit ›kein Interesse mehr finden an‹. Der Gehalt der faktischen Lebenserfahrung fällt ab aus dem Existenzbezug gegen andere Gehalte, der abfallende bleibt in Verfügbarkeit; diese selbst kann aber ihrerseits als Sinncharakter des Bezugs verblassen und in den der bloßen Verwendbarkeit übergehen. (›Verblassen‹, ›Übergang‹ usf. sind ›existenzielle Begriffe‹.)
Das betrifft - wie jeden Gehalt, Bezug und Vollzug der faktischen Lebenserfahrung - auch die Wissenschaften und die Philosophie, beide allerdings nach ihrer ›Stelle‹ in der faktischen Lebenserfahrung in verschiedener Hinsicht und in verschiedener Weise. Wissenschaftliche und philosophische Begriffe, Sätze und Betrachtungsarten durchsetzen mehr oder minder umfänglich die faktische Lebenserfahrung, setzen sie aber nicht zusammen; und zwar durchsetzen sie diese im Charakter des Verblaßten, d. h. sie sind aus dem ursprünglichen Existenzbezug abgefallen. Sofern sich nun die phänomenologisch-kritische
6 Phänomene, die mit dem Raum gar nichts zu tun haben, sondern einen ganz bestimmten ursprünglichen Sinnzusammenhang der faktischen Lebenserfahrung ausmachen.
7 Verfügbarkeit, Verwendbarkeit; Wirklichkeits- und Seinsbegriffe; existenzielle Genealogie der Seinsbereiche und -begriffe.