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§ 7. Explikation der Sinnzusammenhänge

determiniert. Nicht so verhält es sich da, wo ein Politiker die Vergangenheit zur Lehrmeisterin hat. Gewiß ist es die Vergangenheit in bestimmter Akzentuierung, nämlich das vergangene politische Leben, aber es ist nicht die Vergangenheit des Politikers selbst. Das hier also mit Vergangenheit Gemeinte hat eine losere Beziehung zum aktuellen Dasein, so sehr auch gerade der Wasgehalt der Vergangenheit bezüglich des Charakters, in dem er ›gehabt‹ wird, von dem Was-und Zielgehalt der faktischen Tendenzen des aktuellen Daseins her motiviert ist und mit diesen Tendenzen und Interessen variiert. Es ist eine losere Beziehung, die das Dasein als solches nicht notwendig trifft und vielleicht überhaupt nicht treffen kann. Es ist aber eine in diesem Dasein doch latente Beziehung, latent freilich nicht in der Immanenz der vorgenannten Beziehung. Es ist nicht so, daß der faktisch lebende aktive politische Mensch abgesetzt hie und da in der Geschichte einmal nachsähe, sich gerademal erkundigte, dies und das zur Kenntnis nähme. Es ist aber auch nicht so, daß die Kenntnisnahme gleichsam ständig dauerte, als wäre er aktuell fortwährend mit der Vergangenheit beschäftigt, was eine politische Aktivität in seiner eigenen Gegenwart gerade ausschlösse. Es ist die Beziehung des Vertrautseins mit einer nichteigenen, durch aktuelle Daseinstendenzen ausgezeichneten, von ihnen her gedeuteten und für sie zugleich Leitung gebenden, auf sie ›anweisend‹ zurückschlagenden Vergangenheit. Haben ist bezogen auf Vergangenheit als nichteigene, aber durch eigene aktuelle Daseinstendenzen akzentuiertes und diese leitendes Vertrautsein mit, welches Vertrautsein die aktuellen Tendenzen bestimmt motiviert.


ad V.

In dem Satz »Dieser Mensch hat eme traurige Geschichte« klingen die Beziehungen wieder an, die wir bereits unter III besprochen haben. Es wurde dort notwendig, zwischen dem ›haben‹ im Sinne von ›zukommen‹, ›zugehören‹ bzw. ›nichtzukommen‹, ›nichtzugehören‹ und dem ›haben‹ als ›besitzen‹,


Martin Heidegger (GA 59) Phänomenologie der Anschauung und des Ausdrucks