In dieser Tendenz werden wir philosophiegeschichtliche Überlegungen anstellen. Wenn man Geschichte der Philosophie anders betrachtet, wird sie nur ein schönes Reden oder eine registrierende Beschäftigung.
Wie gelangen wir zum Selbstverständnis der Philosophie? Nur durch Philosophieren selbst, nicht durch wissenschaftliche Reweise und Definitionen, d. h. nicht durch Einordnung in einen allgemeinen, objektiv geformten Sachzusammenhang läßt sich das erreichen. Dies liegt im Begriff »Selbstverständigung«. Was Philosophie selbst ist, läßt sich wissenschaftlich nie zur Evidenz bringen, sondern nur im Philosophieren selbst klar machen. Man kann nicht Philosophie in der üblichen Weise definieren, nicht durch Einordnung in einen Sachzusammenhang charakterisieren, so wie man sagt: Chemie ist eine Wissenschaft und Malerei ist eine Kunst. Man hat auch versucht, die Philosophie in ein Begriffssystem einzuordnen, indem man sagt, daß Philosophie sich mit einem bestimmten Gegenstand in bestimmter Weise beschäftigt. Aber auch hier spielt bereits die wissenschaftliche Auffassung der Philosophie hinein. Die Prinzipien von Denken und Erkennen bleiben in ihnen ständig ungeklärt. Aber man kann doch auch von der Malerei, obwohl sie nicht Wissenschaft ist, in dieser Weise sprechen, z. R. sagen, sie sei eine Kunst! Dies ist in der Tat auch bei der Philosophie in einem ganz formalen Sinn berechtigt, welche Art des »Formalen« noch aufzuklären ist.
Das Problem des Selbstverständnisses der Philosophie wurde immer zu leicht genommen. Faßt man dies Problem radikal, so findet man, daß die Philosophie der faktischen Lebenserfahrung entspringt. Und dann springt sie in der faktischen Lebenserfahrung in diese selbst zurück. Der Begriff der faktischen Lebenserfahrung ist fundamental. Mit der Bezeichnung der Philosopie als erkennendes, rationales Verhalten ist gar nichts gesagt; man verfällt so dem Ideal der Wissenschaft. Es wird hierdurch gerade die Hauptschwierigkeit verdeckt.