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Vorbemerkung zu den Aristotelesinterpretationen

durch deren Verständnis hindurch eine Anschauung der vermeinten Gegenstände erzielt werden soll. Eine solche Übersetzung lenkt das Wortverständnis schon in bestimmte Anschauungsrichtungen und Vergegenwärtigungsweisen der Sachen, sie lockert gleichsam einen starren Text auf und macht ihn erst einmal beweglich und gefügig für eine ihn dann erst wieder begrifflich fixierende Interpretation.

Die Paraphrase ist schon ein Schritt zur Interpretation, d. h. etwas, was erst recht und gerade interpretationsbedürftig ist; sie ist also gegenüber einem festen, glatten und schönen Übersetzungstext im vorliegenden Fall – das liegt an den Sachen, von denen die Rede ist – zunächst weniger zugänglich.

So wenig wie jede andere ist die Paraphrase etwa die Übersetzung; sie ist es nicht etwa deshalb nicht, weil sie auch ›Fehler‹ haben wird, ›unabgeschlossen‹ ist, sondern weil es so etwas wie ›die Übersetzung‹ gar nicht gibt. Diese Idee entspringt gar nicht einem historischen ›Denken‹ und das Absehen darauf ist sinnlos (nur: ursprünglicher oder nicht historisch-geschichtlich). (Grammatische Richtigkeit – an diese hat sich Paraphrase zu halten ›stabiler‹ (Stabilität auch geschichtlich!), aber auch nicht etwas absolutes Regelhaftes – und gerade nicht in philosophischen Ausdruckszusammenhängen, wo die Sprache erst eigentlich in der Forschung wächst.)


b) Zu Leben und Werk: Hinweis auf neuere Darstellungen.
Anweisung zum Studium


Vorausgesetzt wird in dieser Vorlesung die Kenntnis dessen, was man so nennt ›Leben und Werke‹, was in das Feld einer mitzubringenden wissenschaftlich philosophiegeschichtlichen Bildung fällt; bzw. es wird angenommen, daß Sie von selbst darauf kommen, sich darüber, je nach den wissenschaftlichen Möglichkeiten und den maßgeblichen wissenschaftlichen Ansprüchen zu orientieren.

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