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Interpretation von »Metaphysik« A 1 und A 2

Darnach wird erst aus dem κίνησις-Phänomen der Begriff des θεῖον voll verständlich; da die Interpretation dieses Phänomens anhand der aristotelischen Philosophie diese Untersuchung eigens beschäftigt, soll hier nur das Nötigste summarisch angedeutet und im übrigen die Betrachtung auf ein anderes Moment des Problems gelenkt werden.


y) Die Auslegungen und Umdeutungen des aristotelischen Gottesbegriffes in der abendländischen Philosophie und Theologie


In jedem Fall ist es schon schief, von einem Gottesbeweis bei Aristoteles zu sprechen, obzwar gerade die spätere Theologie in mißverständlicher Auslegung des Aristoteles von diesem her sich die Idee eines Gottesbeweises vorgeben ließ. Wie dann überhaupt der aristotelische Gottesbegriff in den mannigfaltigsten Umdeutungen eines der stärksten Fermente der abendländischen Philosophie und Theologie und überhaupt Geistesgeschichte geworden ist. In Hegels Begriff des absoluten Geistes liegt die stärkste Nachwirkung des aristotelischen Begriffes und es zeigt sich gerade an diesem Zusammenhang die innere Verbogenheit der Hegelschen Philosophie. Neben dem spezifisch wissenschaftlichen Charakter der aristotelischen Philosophie war es aber der aristotelische Gottesbegriff und der Begriff des νοῦς, was bei Hegel den Aristoteles in ein besonders hohes Ansehen brachte.


δ) Die christliche Auslegung des religiösen Lebens und des Seins- und Gegenstandssinnes von Gott als Ausdeutung des Natur- und Bewegungszusammenhangs des θεῖον bei Aristoteles


Der aristotelische Gottesbegriff ist in keiner Weise begrifflicher Ausdruck von religiösem Leben, aber seine gegenstands- und seinsmäßige kategoriale Struktur trägt in der Folgezeit vor allem die christlichen dogmatischen Bedeutungszusammenhänge und


Martin Heidegger (GA 62) Phänomenologische Interpretationen ausgewählter Abhandlungen des Aristoteles zu Ontologie und Logik

GA 62