105
§ 11. Interpretation von »Metaphysik« A 2

Die umfassend und ganz konkret angelegten Untersuchungen des Aristoteles über κίνησις in den acht Büchern der »Physik«, in Περὶ γενέσεως καὶ φθορὰς [De generatione et corruptione] sind in der Richtung der ontologisch-kategorialen Explikation am weitesten geführt in den Abhandlungen, die bekannt sind als Met. Z, H, Θ.


αα) Exkurs: Übersetzung von »Metaphysik« Θ 6, 1048 b 18-35 (Der Zusammenhang von Bewegtheit und ihrem >am Ende sein< im Ausgang von zwei verschiedenen Weisen des Tuns)


Das Buch Θ im besonderen handelt von δύναμις und ἐνέργεια (vgl. Phys. Γ 1-3 und Ε). Aus Buch Θ soll nur ein wichtiges Stück kurz besprochen werden: Θ 6, 1048 b 18-35 (vgl. Bonitz, Co.41, S. 396-398; Lasson42, S. 150, Abschnitt).

Der Abschnitt fehlt in E, T43 und bei Alexander. Aus dem kritischen Apparat bei Christ44 ersichtlich eine Reihe merkwürdiger Konjekturen (Bonitz). Bonitz hat auch den Abschnitt als echt aristotelisch aufgewiesen; was sachlich zur Sprache kommt, ist genuin aristotelisch und die begriffliche und ausdrucksmäßige Prägung erst recht.


1048 b 18-19: ἐπεὶ δὲ τῶν πράξεων ὧν ἔστι πέρας οὐδεμία τέλος. »Von den Weisen des Tuns, die Erledigungscharakter haben [wo also das Womit der Umgangsbewegtheit so ist, daß das an ihm zu Besorgende dem Umgangs- und Besorgensssinn nach selbst ausgerichtet wird, die Bewegtheit an ihrem Worauf ›zu Ende‹ ist], ist keine selbst vom Charakter des ›Worauf‹ der Bewegtheit [keine selbst ›am Ende‹, οὐδεμία τέλος, d. h. die Bewegtheit eigentliche!], sondern als ausrichtende sind


41 [Hermannus Bonitz, Commentarius in Metaphysica Aristotelis (Aristotelis Metaphysica, ed. Bonitz, op. cit., pars posterior).]

42 [Aristoteles, Metaphysik, übertr. von A. Lassan, a.a.O.]

43 [Codices E (Parisinus graecus L853, saeculi X) und T (Vaticanus graecus 256, anni 1321).]

44 (Aristotelis Metaphysica, ed. Christ, op. cit.]


Martin Heidegger (GA 62) Phänomenologische Interpretationen ausgewählter Abhandlungen des Aristoteles zu Ontologie und Logik

GA 62