Ein »Allgemeines« des hermeneutischen Verstehens über das Formale hinaus gibt es nicht; und wenn es so etwas gäbe, wäre jede Hermeneutik, die sich selbst versteht und ihre Aufgabe, daran gehalten, davon Ab-stand zu nehmen und auf das je faktische Dasein zurückzugehen im Aufmerksammachen. Das »Formale« ist nie eigenständig, sondern nur weltliche Ausladung und Hilfe. Die Hermeneutik soll ja nicht Kenntnisnahme erzielen, sondern das existenzielle Erkennen, d. h. ein Sein. Sie spricht aus der Ausgelegtheit und für sie.
Der hermeneutische Einsatz — das, worauf gleichsam wie auf eine Karte alles gesetzt ist-, also das »als was«, in dem die Faktizität im vorhinein ergriffen ist, der eingesetzte entscheidende Seinscharakter, kann nicht erfunden sein; er ist aber auch kein fertiger Besitz, sondern entspringt und entwächst einer Grunderfahrung, d. h. hier einem philosophischen Wachsein, in dem das Dasein ihm selbst begegnet. Das Wachsein ist philosophisch, das besagt: es ist lebendig in einer ursprünglichen Selbstauslegung, die Philosophie von ihr selbst sich gegeben hat, dergestalt, daß sie eine entscheidende Möglichkeit und Weise der Selbstbegegnung des Daseins ausmacht.
Der Grundgehalt dieser Selbstverständigung der Philosophie über sich selbst muß heraushebbar sein, und er ist im vorhinein anzuzeigen. Er sagt für diese Hermeneutik: 1.) Philosophie ist die im faktischen Leben selbst seiende Weise des Erkennens, in der faktisches Dasein sich rücksichtslos zu sich selbst zurückreißt und unnachsichtlich auf sich selbst stellt. 2.) Philosophie hat als diese keinen Auftrag, für die allgemeine Menschheit und Kultur zu sorgen und gar kommenden Geschlechtern die Sorge um das Fragen ein für allemal abzunehmen oder auch nur durch verkehrte Geltungsansprüche zu beeinträchtigen. Sie ist, was sie sein kann, nur als Philosophie ihrer »Zeit«. »Zeitlichkeit«. Im Wie des Jetztseins arbeitet das Dasein.
Das heißt aber nichts weniger als möglichst modern sein, d.h. den sogenannten Bedürfnissen und eingebildeten Nöten nach dem Maul reden. Alles Moderne ist daran kenntlich, daß