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Die heutige Ausgelegtheit des Heute

der Philosophie, aus dem selbst das W i e des Verstandenen in seiner »Einheit« erwächst. Einheitsbildend ist nicht äußere Rahmenordnung und ordnungsbezogener »Prozeßcharakter«, sondern das Wie des jeweiligen Verstehens in seiner je entscheidenden Richtunghabe. Alle Kategorien sind als solche, nicht in Bezug und aus Bezug zueinander, Existenzialien.

Hier eine grundsätzliche Orientierung über Dialektik, soweit das Verständnis der Phänomenologie in Frage kommt. Eine formalistische Entscheidung läßt sich hier nicht gewinnen, so daß sie von sachlichem Belang wäre, wie denn überhaupt die Frage des Verhältnisses beider nur soweit zur Diskussion stehen kann, als es von konkreter Forschung gefordert ist. Leere Methodenprogramme verderben die Wissenschaft.

Die Dialektik setzt sich nach zwei in sich zusammenhängenden Hinsichten in eine Überlegenheit gegenüber der Phänomenologie, die beide die Dignität der zu gewinnenden Erkenntnis betreffen.

1. Die Dialektik sieht in der Phänomenologie die Stufe dernächsten Unmittelbarkeit des Erfassens. Sie kann nur bekannt machen mit etwas; das Erkennen bleibt ihr versagt, d. h., sie gewinnt nicht die höhere, d. h. vermittelte Unmittelbarkeit. Sie vermag allenfalls den erscheinenden Geist in erster Stufe zu bestimmen, der eigentlich seiende, sich selbst wissende Geist bleibt ihr verschlossen.

2. Ferner: Ob dieser höheren und eigentlichen Erkenntnismöglichkeit gelingt es nur der Dialektik, das Irrationale wenn nicht ganz, so doch mehr zu durchdringen; das Irrationale, was zugleich als das Transzendente und Metaphysische angesprochen wird.

Es trifft zu: Phänomenologie ist die Stufe der unmittelbaren Erkenntnis, - wenn man sie nämlich von der Dialektik her auffaßt. Die Frage ist aber, ob so überhaupt ein ursprüngliches Verständnis der Phänomenologie gewonnen werden kann. Man setzt die Dialektik schon voraus. In dieser Ebene der Fragestellung ist nichts zu entscheiden.