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»Dasein ist Sein in einer Welt«

Dazwischen unbemerkt gibt es solche, die in aller Stille den Scheinproblemen den Hals umdreht (Husserls Logische Untersuchungen!) und für diejenigen, die so etwas verstanden haben, dafür sorgt, daß sie bestimmte Dinge nicht mehr untersuchen. Diese negativen Wirkungen sind die entscheidenden und deshalb dem öffentlichen Geschwätz unzugänglich.


b) Das Vorurteil der Standpunktfreiheit


Die Abweisung dieses Verfahrens der Uberstülpung des Untersuchungsfeldes mit diesem Schema ist nur eine der heute dringlichsten Vorkehrungen. Die zweite betrifft ein Vorurteil, das nur das Gegenstück zur Kritiklosigkeit des Konstruierens und Theoretisierens ausmacht. Das ist die Forderung eines standpunktfreien Betrachtens.

Dieses zweite Vorurteil ist für die Forschung insofern verhängnisvoller, als es unter der ausdrücklichen Parole der scheinbar höchsten Idee der Wissenschaftlichkeit und Objektivität die Kritiklosigkeit zum Prinzip erhebt und eine grundsätzliche Blindheit verbreitet. Es züchtet eine merkwürdige Bedürfnislosigkeit hoch und erteilt mit Hilfe der Selbstverständlichkeit dessen, was sie fordert, einen allgemeinen Dispens vom kritischen Fragen. Denn was könnte nicht auch den Zurückgebliebensten so leicht eingehen wie die Forderung der Unvoreingenommenheit den Sachen gegenüber, — also Ausschaltung des Standpunkts. (Motive dieser Idee der Standpunktfreiheit?)

(Standpunktfrei, wenn nichts zu tun ist; aber wenn gar gesehen und geforscht werden soll? Freiständiger Standpunkt = Subjektsein verdorben. Ausbildung des Standpunkts ist das erste im Sein. Das rechte, das die Vorurteile kennen muß, und zwar nicht nur gehaltlich, sondern im Sein, öffentliche Toleranz; gegen sie das zuvor echte in die Welt kommen, sie frei geben.)

Auch das unvoreingenommene Sehen ist ein Sehen und hat als solches seinen Blickstand, so sehr, daß es ihn gerade in der