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1. Die »Beiträge« fragen in einer Bahn .

Die Zeit der »Systeme« ist vorbei. Die Zeit der Erbauung der Wesensgestalt des Seienden aus der Wahrheit des Seyns ist noch nicht gekommen. Inzwischen muß die Philosophie im Übergang zum anderen Anfang ein Wesentliches geleistet haben: den Entwurf, d. h. die gründende Eröffnung des Zeit-Spiel-Raumes der Wahrheit des Seyns. Wie ist dieses Einzige zu vollbringen? Hier bleiben wir ohne Vorlauferschaft und ohne Anhalt. Bloße Abwandlungen des Bisherigen, und erfolgten sie auch mit Hilfe der größtmöglichen Durcheinandermischung historisch bekannter Denkweisen, bringen nicht von der Stelle. Und vollends steht jede Art von Weltanschauungsscholastik außerhalb der Philosophie, weil sie nur bestehen kann aufgrund der Verleugnung der Fragwürdigkeit des Seyns. In der Würdigung dieses Fragwürdigen hat die Philosophie ihre eigene unableitbare und unverrechenbare Würde. Aus der Wahrung dieser Würde und als Wahrungen dieser Würde fallen alle Entscheidungen über ihr Handeln. Im Reich des Fragwürdigsten aber kann das Handeln nur ein einziges Fragen sein. Wenn zu irgend einer ihrer verborgenen Zeiten, dann muß im Übergang zum anderen Anfang die Philosophie sich aus der Helle ihres Wissens zu ihrem Wesen entschieden haben.

Der andere Anfang des Denkens ist so genannt, nicht weil er nur andersförmig ist als beliebige andere bisherige Philosophien, sondern weil er der einzig andere aus dem Bezug zu dem einzig einen und ersten Anfang sein muß. Aus dieser Zugewiesenheit des einen und des anderen Anfangs zueinander ist auch schon die Art der denkerischen Besinnung im Übergang bestimmt. Das übergängliche Denken leistet den gründenden Entwurf der Wahrheit des Seyns als geschichtliche Besinnung. Die Geschichte ist dabei nicht der Gegenstand und Bezirk einer Betrachtung, sondern jenes, was das denkerische Fragen erst erweckt und erwirkt als die Stätte seiner Entscheidungen. Das Denken im Übergang stellt das erste Gewesene des Seyns der Wahrheit und das äußerste Zukünftige der

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