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5. Für die Wenigen - Für die Seltenen

sich mit der Anbringung des »Politischen« und »Rassischen« einen bisher nicht bekannten Aufputz der alten Ausstattungsstücke der Schulphilosophie.

Man beruft sich auf die flachen Wasserlachen der »Erlebnisse«, unfähig, das weite Gefüge des denkerischen Raumes auszumessen und in solcher Eröffnung die Tiefe und Höhe des Seyns zu denken. Und wo man sich dem »Erlebnis« überlegen glaubt, geschieht dies als Berufung auf einen leeren Scharfsinn.

Woher aber soll die Erziehung zum wesentlichen Denken kommen? Aus einem Vor-denken und Gehen der entscheidenden Pfade.

Wer ζ. B. geht den langen Pfad der Gründung der Wahrheit des Seyns mit? Wer ahnt etwas von der Notwendigkeit des Denkens und Fragens, jener Notwendigkeit, die nicht der Krücken des Warum und nicht der Stützen des Wozu bedarf? Je notwendiger das denkerische Sagen vom Seyn, umso unumgänglicher wird das Erschweigen der Wahrheit des Seyns durch den Gang des Fragens.

Leichter als andere verhüllt der Dichter die Wahrheit in das Bild und schenkt sie so dem Bück zur Bewahrung.

Wie aber birgt der Denker die Wahrheit des Seyns, wenn nicht in die schwere Langsamkeit des Ganges seiner fragenden Schritte und ihrer gebundenen Folge? Unscheinbar wie auf einsamem Feld unter dem großen Himmel der Sämann schweren, stockenden, jeden Augenblick verhaltenden Schrittes die Furchen abschreitet und im Wurf des Armes den verborgenen Raum alles Wachsens und Reifens durchmißt und gestaltet. Wer vermag dieses im Denken noch zu vollziehen als das Anfänglichste seiner Kraft und als seine höchste Zukunft?

Wenn eine denkerische Frage nicht so einfach und so vorragend ist, daß sie den Denkwillen und den Denkstil von Jahrhunderten bestimmt, indem sie ihnen das Höchste zu denken aufgibt, dann bleibt sie am besten ungefragt. Denn sie vermehrt - bloß hergesagt - nur den unablässigen Jahrmarkt der


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65