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I. Vorblick

bunt wechselnden »Probleme«, jener »Vorwürfe«, die auf nichts treffen und von denen keiner getroffen wird.

Wie steht es - so gemessen - mit der Seynsfrage als der Frage nach der Wahrheit des Seyns, welche Frage in sich kehrig zugleich das Seyn der Wahrheit erfragt? Wie lange muß allein der Weg werden, auf dem nur erst die Wahrheitsfrage angetroffen wird?

Was künftig und in Wahrheit Philosophie heißen darf, hat als Erstes und Einziges dies zu leisten: erst den Ort des denkerischen Fragens der wieder anfänglichen Frage zu finden, d. h. zu gründen: das Da-sein (vgl. Der Sprung).

Die denkerische Frage nach der Wahrheit des Seyns ist der Augenblick, der den Übergang trägt. Dieser Augenblick ist niemals wirklich feststellbar, noch weniger zu errechnen. Er setzt erst die Zeit des Ereignisses. Die einzige Einfachheit dieses Überganges wird historisch nie faßbar, weil die öffentliche historische »Geschichte« an ihm längst vorbeigegangen ist, wenn er ihr mittelbar gezeigt werden kann. So bleibt diesem Augenblick eine lange Zukünftigkeit aufbehalten, gesetzt, daß noch einmal die Seinsverlassenheit des Seienden gebrochen werden soll.

Im Da-sein und als Da-sein er-eignet sich das Seyn die Wahrheit, die selbst es als die Verweigerung offenbart, als jenen Bereich der Winkung und des Entzugs - der Stille worin sich erst Ankunft und Flucht des letzten Gottes entscheiden. Dazu vermag der Mensch nichts zu leisten und dann am wenigsten, wenn ihm die Vorbereitung der Gründung des Da-seins aufgegeben ist, so zwar, daß diese Aufgabe das Wesen des Menschen wieder anfänglich bestimmt.


6. Die Grundstimmung


Im ersten Anfang: das Er-staunen.

Im anderen Anfang: das Er-ahnen.

GA 65