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7. Vom Ereignis

Freimut der Begeisterung für die unausdenkbare Schenkung der Verweigerung die Entschiedenheit findet.

In dieser Entschiedenheit wird das Offene des Überganges ausgehalten und gegründet – das abgründige Inmitten des Zwischen zum Nichtmehr des ersten Anfangs und seiner Geschichte und zum Nochnicht der Erfüllung des anderen Anfangs.

In dieser Entschiedenheit muß alle Wächterschaft des Da-seins Fuß gefaßt haben, sofern der Mensch als Gründer des Da-seins zum Wächter der Stille des Vorbeigangs des letzten Gottes werden muß (vgl. Die Gründung).

Diese Entschiedenheit aber ist als erahnende nur die Nüchternheit der Leidenskraft des Schaffenden, hier des Entwerfers der Wahrheit des Seyns, die der Wesensgewalt des Seienden die Stille eröffnet, aus der das Seyn (als Ereignis) vernehmbar wird.



7. Vom Ereignis


Wie weit entfernt ist von uns der Gott, jener, der uns zu Gründenden und Schaffenden ernennt, weil sein Wesen diese braucht?

So weit entfernt ist er, daß wir nicht zu entscheiden vermögen, ob er sich auf uns zu oder von uns weg bewegt.

Und diese Ferne selbst in ihrer Wesung voll erdenken als den Zeit-Raum der höchsten Entscheidung, das heißt nach der Wahrheit des Seyns fragen, nach dem Ereignis selbst, dem jede künftige Geschichte entspringt, wenn noch Geschichte sein wird.

Diese Ferne der Unentscheidbarkeit des Äußersten und Ersten ist das Gelichtete für das Sichverbergen, ist die Wesung der Wahrheit selbst als der Wahrheit des Seyns.

Denn das Sichverbergende dieser Lichtung, die Ferne der Unentscheidbarkeit, ist keine bloße vorhandene und gleichgültige Leere, sondern die Wesung selbst des Ereignisses als Wesen


Martin Heidegger (GA 65) Beiträge zur Philosophie (Vom Ereignis)

GA 65